Baugestaltung

Wesentliche Gebäudetypenund bauliche Anlagen

Feldscheune

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Feldscheunen

sind im 18. und 19. Jahrhundert in ganz Deutschland entstanden. Darin wurde Erntegut gelagert, dass anfänglich als "Eiserne Reserve" diente, um vor allem nach Feuerbrünsten in den Dorfgebieten noch Futtervorräte zu haben. Später dienten sie zur Lagerung des Heus oder je nach Bedarf zur Unterbringung des Viehs im Vorfrühling. Durch Agrikulturchemie, der Technisierung und fachliche Ausbildung wurden deutliche Erntezuwächse erzielt. Diese besseren Ernten mußten irgendwo eingelagert werden. Hierzu dienten oft Neubauten bzw. Anbauten an der Hofstelle oder der Bau einer Feldscheune.

Die jetzt im Döbelner Gebiet noch stehenden Feldscheunen stammen oftmals aus dem Ende des 19. Jahrhunderts. Sie sind häufig am Rande von Höfen zu finden. Dies ergab sich aus der hier typischen landwirtschaftlichen Nutzung, denn die zu bewirtschaftenden Felder lagen in unmittelbarer Nähe der Gehöfte. Aus diesem Grund sind abgelegene Scheunen in der Landschaft eher die Ausnahme aber dennoch zu finden.

Nutzung von Feldscheunen

Wenn die Hofscheune mit Getreidegarben (Stroh, Ähre und Körner) gefüllt war, wurde anschließend in der Feldscheune eingelagert. Auch Raufutter, das nicht in den Dachstühlen der Pferde- und Rinderställe Platz hatte, wurde hier eingebracht. Vom Arbeitsablauf und Arbeitsaufwand hatte die Feldscheune Vorteile gegenüber der Hoflagerung:
  • Die Wegstrecke von dem zu erntenden Feld bis zum Lager war kürzer, von angrenzenden Ackerschlägen konnte direkt eingefahren werden, so dass die Ernte zügiger ablief.
  • Bei der Raufutterlagerung in den zweigeschossigen Stallgebäuden musste das Futter in die 3 – 4 m hohen Luken gegabelt werden und dann nochmals im Gebäude bis unter den Giebel.
  • Auch während der arbeitsärmeren Wintermonate mussten die Zugpferde täglich bewegt werden, das Futterholen von der Feldscheune zum Hof war eine sinnvolle Bewegungsmöglichkeit.
Mit der zunehmenden Mechanisierung der Landwirtschaft, insbesondere mit dem Aufkommen der Mähdrescher, änderte sich das zu lagernde Erntegut von den Garben auf reines Stroh. Des weiteren dienten sie zur Lagerung des Heus oder je nach Bedarf zur Unterbringung des Viehs im Vorfrühling.

Der grundlegende Aufbau

ist bei jeder Feldscheune nahezu identisch. Nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass sie reine Nutzbauten waren. Am häufigsten ist der Typ einer Querdurchfahrtsscheune (Beicha, Simselwitz), bei der die Erntewagen durch die beiden großen Tore in die Diele ein- und auf der anderen Seite wieder ausfuhren, wenn das Erntegut in den beidseitigen so genannten Bansen abgeladen wurde. Weniger häufig waren die Längsdurchfahrten. Hier war neben dem Scheunenraum eine auf der ganzen Länge angebaute Durchfahrt (Hohenlauft, Deutschenbora). Der eigentliche Scheunenraum konnte dadurch komplett genutzt werden. Lediglich die verwendeten Materialien variieren. So findet man Scheunen aus Holz, Bruchsteinen, Lehm oder Ziegeln. Am häufigsten sind jedoch Scheunen mit Fachwerkständer auf gemauertem Fundament. Dieses Ständerwerk wurde dann mit Brettern Stoß auf Stoß mit einer Deckleiste oder doppelt verschalt. Das Dach wurde mit Holzschindeln gedeckt. Diese sind im Laufe der Zeit jedoch durch Ziegel ersetzt wurden.

Problematik

Mit dem Aufkommen der Feuerversicherungen, brandsicherer Bauweisen und dem landwirtschaftlichen Strukturwandel in der 2. Hälfte des 20. Jahrhundert verloren diese Scheunen dann jedoch ihre Nutzung. Einige der Scheunen werden notdürftig unterhalten und als Geräteschuppen oder Heuschober weiter verwendet, andere zerfallen zusehends. Viele Betriebe in der Region wirtschaften heute viehlos bzw. haben strohlose Viehhaltung. Eine sinnvolle Nutzung der Feldscheunen ist deshalb oft nicht mehr anzutreffen. Die Scheunen verfallen weiter oder sind teils auch schon abgerissen. Es liegt fern, den Eigentümern solcher Ställe und Scheunen eine Vernachlässigung der Unterhaltspflicht vorzuwerfen. Ihre Situation ist angespannt genug.

Einwurföffnung zum Rübenkeller

Feldscheune Hohenlauft

1892 wurde diese auf dem Hohenlauft errichtet. Mit einer Größe von 11 x 25 m und einer Höhe von insgesamt 7 m wurde erheblicher Lagerraum geschaffen, der in den 30er Jahren noch einmal erweitert wurde. Der Scheunenkörper wurde um 15 m verlängert und zur Seite hin verbreitert, so dass eine L-Form entstanden ist. Das leicht abfallende Gelände wurde so genutzt, dass ein von der Westseite befahrbarer Keller entstand. Dieser als Rübenkeller genutzte frostgeschützte Raum hat an der nördlichen Außenseite und in der Durchfahrt jeweils drei Einwurföffnungen. Das Tragwerk aus Holzbalken steht auf einem Fundament aus Natursteinen. Das sehr flache Dach hat eine Bitumeneindeckung, die Außenseiten sind mit Doppelschalbrettern verkleidet.
Um dieser Feldscheune wieder nutzbar zu machen, waren einige Reparaturen notwendig. So wurde die Feldscheune des Gutes Hohenlauft zuerst an verschiedenen schadhaften Stellen mit Bitumen und Folie gegen eindringendes Wasser abgedichtet. Die Durchfahrt wurde erneuert, schadhaften Sparren ausgewechselt und die Dacheindeckung erneuert. Um mit der heutigen Technik die Scheune befahren zu können, ist ein weiteres Tor im Scheunenraum eingebaut worden. Genutzt wird diese Scheune heute zur Lagerung von Heu und Stroh in zeitgemäßen Großpacken und sie eignet sich zur Unterbringung von Maschinen und Geräten
 

Impressum

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HerausgeberFördergesellschaft "Regio Döbeln" e.V.
RedaktionFamilie Tietze
Hohenlauft 1, 04741 Niederstriegis
Fotos/ ZeichnungenArchiv / Familie Tietze
Redaktionsschluss  Juni 2004