Asyl: Landkreis beantragt Koordinatoren und baut weiter Kapazitäten ab

30.09.2016

Der Landkreis Mittelsachsen wird beim Freistaat Fördermittel zur Einstellung von acht Integrationskoordinatoren beantragten. Sie unterstützen die Kommunen bei der Integrationsarbeit vor Ort, unter anderem durch Wissenstransfer.

Die jeweiligen Zuständigkeitsgebiete wurden in Anlehnung an die bestehenden Sozialregionen im Landkreis gebildet, ein Schwerpunkt war die örtliche Anzahl der Asylbewerber.  Der Förderzeitraum beträgt zunächst ein Jahr, kann aber verlängert werden. In der Stabsstelle Asyl wird die Koordinationskraft Integration alle Anliegen, Hinweise und Fragen bündeln. „Grund für diese strukturelle Angliederung war, dass wir auf dem Gebiet einheitliche und kompetente Unterstützung der Kommunen gewähren wollen“, erklärt der Leiter der Stabsstelle Dieter Steinert.

Dabei arbeiten die neuen Mitarbeiter eng mit den bestehenden Asylkoordinatoren in den Städten zusammen, wie in Freiberg und Rochlitz. Außerdem sollen 1,5 Vollzeitstellen zum Aufbau von Servicestellen für Sprach- und Integrationsmittler beziehungsweise Gemeindedolmetscherdienste beantragt und durch einen freien Träger ausgebaut werden. Grundlage für die Beantragung ist eine neue Richtlinie des Freistaates, die im August veröffentlicht wurde. „Die Integration ist ein Prozess und auch eine Herausforderung auf allen Ebenen, wir können und wollen uns dem Thema nicht verschließen und werden die Kommunen beziehungsweise Vereine hier unterstützen“, so Landrat Matthias Damm. Außerdem erfolgt die Beantragung von Arbeitsmarktmentoren für 36 Monate mit Beginn am 1. Oktober, welche über Träger realisiert werden. Hinzukommen noch zwei Bildungskoordinatoren mit einem Förderzeitraum von 24 Monaten.

Derzeit arbeitet die Verwaltung gemeinsam mit Vereinen, Verbänden und Vertretern von Arbeitsagentur und Wirtschaft an einen Schnittstellenpapier. Dazu gab es in der vergangenen Woche eine erste Auftaktberatung. „Es sind ganz viele sehr engagiert auf dem Gebiet unterwegs, aber es geht darum, diese Aktivitäten zu vernetzen und gemeinsame Schnittstellen festzulegen“, erklärt Steinert. Landrat Matthias Damm setzt sich weiterhin für die Schaffung von einem Landes- oder Bundesintegrationsamt ein, um die Aufgaben einheitlich anzugehen – nicht nur auf Landkreisebene. Er betont: „Wir sind Unterbringungsbehörde und erhalten dafür eine entsprechende Jahres-Pauschale pro Asylbewerber von 10.500 Euro. Ob diese reicht, können wir am Jahresende sagen.“

Parallel werden die Kapazitäten im Bereich der Unterbringung weiter minimiert. Nachdem zum 30. September die Einrichtungen in Flöha und Rochlitz geschlossen wurden, soll die Unterkunft in der Döbelner Mastener Straße mit 300 Plätzen Ende dieses beziehungsweise Anfang kommenden Jahres folgen. „Dabei berücksichtigen wir rückläufige Neuzuweisungen von Asylbewerbern, die schnelleren Entscheidungen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge und dass Notunterkünfte wirklich als Notunterkünfte gedacht waren und ganz klar auch die Kostenstruktur“, erklärt Damm. Er unterstreicht, dass jedes Objekt einzeln betrachtet wird. In diesem Jahr wurde die Kapazität bereits um 305 Plätze reduziert. Aktuell gibt es keine Gesamtprognose für 2016, sondern nur monatliche Informationen über die Zuweisungszahl: 74 Personen im August, 61 im September und 45 im Oktober. Rund 2 400 Asylsuchende sind derzeit durch den Landkreis untergebracht.

Die Auslastung betrug Ende August in Gemeinschaftsunterkünften und Wohnprojekten rund 74 Prozent mit einer Kapazität von rund 3 200 Plätzen. Hinzukommen noch Wohnungen. „Wir kommen nicht umhin den Weg der Kapazitätsreduzierung weiter zugehen, aber immer mit Bedacht, denn ganz schnell kann sich hier eine andere Situation ergeben“, so der Landrat abschließend

Wo wird es Integrationskoordinatoren geben?

  1. Augustusburg, Leubsdorf, Eppendorf, Oederan, Flöha, Niederwiesa

  2. Weißenborn, Brand-Erbsidorf, Bobritzsch-Hilbersdorf, Lichtenberg, Mulda, Dorfchemnitz, Sayda, Neuhausen, Großhartmannsdorf, Rechenberg-Bienenmühle, Frauenstein

  3. Hainichen, Großschirma, Oberschöna, Halsbrücke, Reinsberg, Striegistal

  4. Altmittweida, Mittweida, Rossau, Frankenberg, Lichtenau, Kriebstein

  5. Freiberg

  6. Burgstädt, Claußnitz, Geringswalde, Hartmannsdorf, Königshain-Wiederau, Rochlitz, Seelitz, Wechselburg, Mühlau, Lunzenau, Penig, Taura, Zettlitz, Königsfeld, Erlau

  7. Döbeln

  8. Hartha, Leisnig, Waldheim, Roßwein, Ostrau, Großweitzschen, Zschaitz-Ottewig.

Entwicklung im ersten Halbjahr:

Landkreis
Zugänge870
untergebrachte Asylbewerber2 546
vollziehbar Ausreisepflichtige467
Zahl der Abschiebungen121
freiwillige Ausreisen75