Aus der Sitzung des Kreistages vom 3. Dezember

04.12.2025

Themen waren unter anderem der Haushalt, der Ersatzneubau des REGIOBUS-Betriebshofes in Hartmannsdorf sowie die Verabschiedung des Geschäftsführers und Leistungen des Rettungsdienstes.

Erfolgreiches Modellprojekt

Noch bis zum Jahresende läuft in Lunzenau ein Modellprojekt, das Asylsuchende zur Teilnahme an Arbeitsgelegenheiten verpflichtet. Die Ausländerbehörde zieht eine durchweg positive Bilanz und beabsichtigt, das Projekt fortzusetzen. Für das Jahr 2026 können sich weitere Kommunen für die Umsetzung zusätzlicher Maßnahmen bewerben. Seit Oktober 2025 unterstützen drei Asylsuchende den Bauhof der Stadt Lunzenau mit Helfertätigkeiten, insbesondere bei der Pflege und Reinigung von Spielplätzen. Dies stellt nur ein Beispiel für die Vielzahl von Arbeitsgelegenheiten dar, die im Landkreis Mittelsachsen für Asylsuchende bereitgestellt werden. Insgesamt stehen mehr als 60 Maßnahmeplätze zur Verfügung. Diese Angebote tragen nicht nur zur sozialen Integration der Asylsuchenden bei, sondern leisten auch einen aktiven Beitrag zur Verbesserung des kommunalen Umfelds.
Im Rahmen des Kreistages präsentierte der Erste Beigeordnete Dr. Christoph Trumpp die aktuelle Ausländerstatistik. Demnach ist die Zahl der Ausländer im Landkreis im Vergleich zum Vorjahr nur geringfügig um rund 60 Personen auf insgesamt 18 623 gestiegen. Die Zahl der Asylbewerber und Geduldeten ist insgesamt um 90 Personen gesunken. Ein wesentlicher Faktor für diese Entwicklung ist der positive Trend bei den freiwilligen Ausreisen: Diese stiegen von 146 im Jahr 2024 auf 254 im Jahr 2025. In zahlreichen Fällen erhielten die Rückkehrer finanzielle Unterstützung, um den Ausreiseprozess zu erleichtern. Dr. Trumpp unterstrich, dass freiwillige Ausreisen eine gute Möglichkeit darstellen, den betroffenen Personen eine Perspektive zu bieten und gleichzeitig die Belastung der Unterbringungseinrichtungen zu reduzieren. Aktuell ist ein Mitarbeitender in der entsprechenden Beratungsstelle tätig, um den freiwilligen Ausreiseprozess zu unterstützen. Für das kommende Jahr ist eine Erweiterung der Kapazitäten geplant, um die umfangreiche Unterstützung während des Ausreiseprozesses noch effizienter zu gestalten.
Seit September 2025 ist die Zahl der Asylsuchenden in Sachsen erneut deutlich gestiegen. Im Oktober wurden im Freistaat 1309 Aufnahmen verzeichnet, was die fünfthöchste Zahl seit Beginn des Ukraine-Kriegs darstellt. Diese Zunahme der Flüchtlingszahlen hat auch Auswirkungen auf die Zuweisungen im Landkreis. Es wird erwartet, dass im Jahr 2025 mehr als 1100 geflüchtete Menschen aus der Ukraine im Landkreis aufgenommen werden. Diese Entwicklung stellt den Landkreis vor neue Herausforderungen, insbesondere im Hinblick auf die gesetzliche Anpassung des Übergangs der Leistungsberechtigten. Zum Stand 1. Dezember 2025 wären davon zirka 500 Personen betroffen. Eine genaue Analyse erfolgt derzeit in Absprache mit dem Jobcenter Mittelsachsen sowie dem Sozialamt.

Windkraft: Planung läuft

Das Thema Windkraftanlagen war auch in dieser Sitzung des Kreistages ein Thema. Nachdem das Gremium den Landrat beauftragt hatte, sich bei Bund und Freistaat für eine gesetzliche Änderung einzusetzen, gab es eine Antwort des sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer. Demnach kommt weder eine Allgemeinverfügung noch eine einzelfallbezogene landesplanerische Untersagung von Windenergieanlagen während der Aufstellung des neuen Raumordnungsplans Wind in Betracht. Eine raumordnerische Untersagung zur Plansicherung sei aufgrund der Planungssystematik rechtlich nicht möglich. Eine Antwort vom Bund steht noch aus. In diesem Zuge informierte der Landrat über den neuen Raumordnungsplan Wind des Planungsverbandes Raum Chemnitz, der derzeit erarbeitet wird. Bis Ende 2027 soll dieser fertig sein. Ein wichtiger Beschluss in diesem Prozess wurde in der vergangenen Woche getroffen: Darin wird auf die besondere Situation mit den vielen Windrädern in Mittelsachsen Rücksicht genommen, denn das gesetzlich vorgeschriebene Flächenziel ist bezogen auf den Kreis Mittelsachsen bereits erfüllt. Es sollen keine weiteren neuen Gebiete in den Verfahren für den Landkreis ausgewiesen werden. In dem Beschlusstext heißt es: „In Landkreisen mit ermitteltem Flächenüberhang aus Windenergiegebieten […] werden jedenfalls keine neuen Windgebiete ausgewiesen.“ Ein weiterer Beschluss soll Gemeinden vor einer „Überlastung“ schützen. So wurde als Richtwert eine maximale Bebauung mit Windenergieanlagen von fünf Prozent festgelegt, es kann aber Ausnahmen geben.

Gestiegene Kosten im Bereich Jugend und Familie

Einen finanziellen Mehrbedarf meldete die Abteilung Jugend und Familie an. Insgesamt werden bei einem Jahresbudget von 57 Millionen Euro weitere 3,7 Millionen Euro benötigt, um die Pflichtaufgaben zu erfüllen. Das Geld wird aus liquiden Mitteln zur Verfügung gestellt. Der überwiegende Teil des Bedarfs stammt mit fast 2,2 Millionen Euro aus dem Bereich „Hilfe zur Erziehung“ und weitere 1,2 Millionen Euro aus dem Bereich Hilfen für junge Volljährige, Inobhutnahme und Eingliederungshilfe. Gründe sind gestiegene Fallzahlen und Entgelte. Die Zahl der ambulanten und stationären Hilfen zur Erziehung ist um elf Prozent gestiegen. In einem Heim lebten 182 Minderjährige, im September 2024 betrug deren Zahl noch 176. Die Gründe für eine Betreuung durch das Jugendamt sind vielfältig. „Die Bandbreite reicht von einer unzureichenden Versorgung, über Problemlagen der Eltern bis hin Gefährdungssituationen“, erklärt die Leiterin der Abteilung Jugend und Familie Heidi Richter. Beispielsweise könne eine Heimerziehung im Monat einen fünfstelligen Betrag kosten. Das hängt von der entsprechenden Konstellation und der Intensität der Betreuung ab. „Zunehmend gestaltet es sich schwieriger für Kinder mit vielfältigen Problemlagen überhaupt eine Einrichtung zur Betreuung zu finden. Diese sind dann sehr spezialisiert und entsprechend teuer“, erklärt Richter. Die Fallzahlen steigen auch, wenn Eltern in den Landkreis ziehen, deren Kinder bereits eine ambulante oder stationäre Hilfe zur Erziehung erhalten. Dann trägt der Landkreis Mittelsachsen die entsprechenden Kosten. Der Mehraufwand liegt hier bei 1,3 Millionen Euro. „Anderseits gibt der Landkreis auch Fälle ab“, so Richter. In diesem Jahr wurden aber erneut deutlich mehr Kinder- und Jugendliche durch Mittelsachsen aufgenommen, als abgegeben. 2024 und 2025 gab es allein dadurch einen ungeplanten Aufwuchs von 22 Fällen.
Auch die Fallzahl der Inobhutnahmen hat sich im Vergleich zur Planung anders entwickelt. So befanden sich zwischen dem 1. Januar und 30. September dieses Jahres 101 Kinder in Obhut des Jugendamtes. Das Jugendamt ging von 27 laufenden Fällen im Monat aus, jetzt sind es aber 39. „Die Liste lässt sich über fast alle Aufgabenbereiche des Jugendamtes fortführen. Es ist aber kein mittelsächsisches Phänomen, sondern betrifft andere Landkreise genauso“, betont Richter abschließend.

Neues Mitglied im Seniorenbeirat

Claudia Glanz wird ab der nächsten Sitzung Mitglied im mittelsächsischen Seniorenbeirat. Sie rückt für die verstorbene Heidrun Hinkel nach. Der Seniorenbeirat hat die Aufgabe, den Kreistag und die Landkreisverwaltung zu beraten, zu unterstützen und auf eine Verbesserung der Lebensumstände der Seniorinnen und Senioren in Mittelsachsen hinzuwirken. Die nächste öffentliche Sitzung ist für Montag, 26. Januar 2026, in Freiberg geplant.

Sparkasse: neuer Vorstandsvorsitzender und Bilanz

Uwe Krahl verabschiedet sich als Vorstandsmitglied der Kreissparkasse Döbeln. Anfang 2026 übernimmt Thomas Gogolla den Vorstandsvorsitz, Kay Richter wird Marktfolgevorstand. „Seit fast neun Jahren stand er an der Spitze der Kreissparkasse Döbeln – und hat in dieser Zeit gezeigt, was gute Führung ausmacht: Bodenständigkeit, Klarheit und ein feines Gespür für die Menschen, für die er Verantwortung trug“, so Landrat Sven Krüger. Jahrelang hat Grahl in der Dezember-Kreistagssitzung auf das zurückliegende, abgeschlossene Geschäftsjahr zurückgeblickt. Auch an dieser Stelle wurde die Nachfolge eingeläutet: Diesmal informierte Thomas Gogolla darüber, dass die Sparkasse Döbeln erneut auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr zurückblicken kann. Sie gehöre nach wie vor zu den erfolgreichsten Geldinstituten im Osten Deutschlands. Seit Gründung des Landkreises Mittelsachsen seien durch die Sparkasse Döbeln beispielsweise rund sechs Millionen Euro an Ausschüttungen geleistet worden, so Gogolla. Träger der Sparkasse ist der Landkreis. Der Kreistag beschloss die Entlastung des Verwaltungsrates sowie die Gewinnverwendung.

Haushalt: Strukturkonzept zur Sicherung der dauerhaften Leistungsfähigkeit

Der Landkreis Mittelsachsen schließt das Haushaltsjahr 2024 mit einem Ergebnis in Höhe von –36,5 Millionen Euro ab. Damit werden ein weiteres Jahr in Folge mehr Ressourcen verbraucht, als zur Verfügung stehen. Der Landkreis lebt von der Substanz und zehrt seine Rücklagen weiter auf, die Ende 2025 vollständig verbraucht sein werden. Demnach ist Mittelsachsen innerhalb weniger Jahre tief in die roten Zahlen gerutscht. Der größte Anteil der Nettoaufwendungen betreffen den Bereich Soziales und Jugend, welche in den vergangenen zehn Jahren um rund 45 Prozentpunkte gestiegen sind. So zeigt unter anderem die Statistik der Eingliederungshilfe und Sozialhilfe auf Landkreisebene einen Anstieg der Auszahlungen um 20 Prozentpunkte beziehungsweise 23 Prozentpunkte im Vergleich von 2023 zu 2024. Die aus dem Haushaltsjahr 2024 übertragene Kreditermächtigung in Höhe von 14 Millionen Euro wurde im Haushaltsjahr 2025 vollständig in Anspruch genommen, sodass die Verschuldung des Landkreises weiter steigt.
Aus der Kassenstatistik 2024 geht ein Gesamtfinanzierungssaldo aller sächsischen Landkreise in Höhe von -320 Millionen Euro hervor. Bis 2028 wird eine Verschlechterung auf rund –900 Millionen Euro prognostiziert.
Mit Schreiben der Landesdirektion Sachsen vom 24. November 2025 erhielt der Landkreis Mittelsachsen die Genehmigung für den Haushalt 2026. Diese ist nur auf Grundlage von Haushaltserleichterungen möglich, die durch einen Erlass des Sächsischen Staatsministeriums des Innern zur Bewältigung der außergewöhnlichen Haushaltslage im Freistaat Sachsen gestützt wird. In 2026 wird im Landkreishaushalt ein ordentliches Ergebnis in Höhe von –53,6 Millionen Euro ausgewiesen. Da der Landkreis nur noch über eine geringe Liquidität verfügt, wird der Rückgriff auf Kassenkredite unumgänglich sein. Laut genehmigter Haushaltssatzung beträgt der Höchstrahmen der Kassenkredite, der zur rechtzeitigen Leistung von Auszahlungen in Anspruch genommen werden darf, maximal 120 Millionen Euro.
Neben einem freiwilligen Konsolidierungskonzept, welches der Landkreis Mittelsachsen bereits Ende 2023 erstellt hat, wurde die Genehmigung der Landesdirektion Sachsen mit der Auflage verbunden, spätestens ab 2029 ein Haushaltsstrukturkonzept vorzulegen. Angesichts der Entwicklung im mittelfristigen Finanzplan, strebt der Landkreis die Aufstellung eines Haushaltsstrukturkonzeptes bereits im kommenden Jahr an, um die dauerhafte Leistungsfähigkeit zu sichern. Die Ergebnisse sollen die Grundlage für die Planung des Doppelhaushaltes 2027/2028 bilden. „Dabei geht es nicht in erster Linie um Kürzungen und Sparmaßnahmen, sondern darum, dauerhaft tragfähige Strukturen zu entwickeln. Das umfasst auch effektive Investitionen, die bei langfristiger Betrachtung eine positive Wirkung auf den Landkreishaushalt entfalten“, so Landrat Sven Krüger.

REGIOBUS: Wechsel der Geschäftsführung und Ersatzneubau des Betriebshofes Hartmannsdorf

Im Rahmen der Kreistagssitzung wurde Michael Tanne als Geschäftsführer der REGIOBUS Mittelsachsen GmbH verabschiedet. Er tritt zum Jahresende in den Ruhestand ein – nach mehr als 40 Jahren in der REGIOBUS Mittelsachsen GmbH und ihren Vorgängerunternehmen, davon 35 Jahre als Geschäftsführer. Tanne habe den Betrieb nicht nur geführt, er habe ihn gelebt und dabei jeden einzelnen Fahrgast, jede Mitarbeiterin und jeden Mitarbeiter ernst genommen, so Landrat Sven Krüger in seiner Laudatio. „Michael Tanne hat dabei stets diejenige Route gewählt, die die beste Zukunft versprach – für das Unternehmen, die Mitarbeiter und für unseren Landkreis“, so Krüger. Er beschrieb den scheidenden Geschäftsführer als „immer sachlich, immer ehrlich, immer zuverlässig.“ Ab dem 1. Januar 2026 wird Stefan Löwe die Geschäftsführung übernehmen. Zu REGIOBUS gehören knapp 470 Beschäftigte und fast 240 Busse, die pro Jahr rund 13 Millionen Fahrgäste befördern.
Eines der von Tanne angeschobenen, zukunftsweisenden Großprojekte ist der Neubau des Betriebshofs in Hartmannsdorf. Der Kreistag ermächtigte den Landrat, in der Gesellschafterversammlung der 100-prozentigen Tochtergesellschaft alle erforderlichen Beschlüsse zu Planung und Bau zu fassen. Der Neubau soll im nahegelegenen Gewerbegebiet entstehen. Dort sollen die Voraussetzungen für den Betrieb batterieelektrische Fahrzeuge geschaffen werden. „Aufgrund der Nähe zum Oberzentrum Chemnitz sowie den vorhandenen zwei PlusBus-Linien eignet sich diese Region gut für den Einsatz von Elektrobussen“, so Landrat Sven Krüger. Ziel sei, den Betriebshof 2027 fertigzustellen und ab 2028 ausschließlich vollelektrische Fahrzeuge am Standort vorzuhalten. Rund 23,2 Millionen Euro Baukosten sind veranschlagt, ein Teil davon wird über Fördermittel gedeckt. Ende November übergab die Staatsministerin für Infrastruktur Regine Kraushaar einen entsprechenden Bescheid.

Breitbandkoordinator zieht Jahresbilanz

Mit der letzten regulären Kreistagssitzung im Jahr 2025 konnte der Arbeitsplan zur Umsetzung des flächendeckenden Glasfaserausbaus für den gesamten Landkreis abgeschlossen werden. Die Förderbescheide konnten sowohl für alle Erweiterungen und Ergänzungen der bereits im Bau befindlichen sieben Clusterprojekte aus der „weiße Flecken“-Förderung als auch für die sechs Gigabit 2.0-Projekte erlangt werden.
Für die Kommunen, welche durch die Clusterprojekte nicht vollständig ausgebaut werden, konnte der Landkreis 13 sogenannte Lückenschlussprojekte auf den Weg bringen. Damit können jetzt die dringlichsten Unterversorgungen, vor allem in den ländlichen Randgebieten dieser Kommunen, möglichst verbunden mit den in den angrenzenden Gebieten laufenden Großprojekten, ausgebaut werden.
Verbunden mit und ergänzend zu den geförderten Ausbaumaßnahmen werden die Telekommunikationsunternehmen eins energie, mitteldeutsche IT und die Telekom auch eigenwirtschaftliche Ausbaumaßnahmen umsetzten. 
Die Auswahlverfahren aller Projekte dazu konnten ebenfalls vollständig abgeschlossen werden. Aufgrund der Insolvenz eines Generalunternehmers in einem dieser Projekte macht sich jedoch eine Neuausrichtung der Vergabe notwendig. Der Kreistag beauftragte die Verwaltung, notwendige Schritte zu unternehmen, um sowohl den Bauverzug in diesem Projekt als auch die mögliche Beeinträchtigung der im selben Gebiet parallel stattfindenden Projekte und Maßnahmen so gering wie möglich zu halten.

Die Baumaßnahmen in allen anderen Projekten werden bereits erweitert fortgesetzt oder starten im Frühjahr 2026. Insgesamt wurden in diesem Jahr 17 Vergabeschlüsse zu 27 Projekten mit insgesamt 38 Losen und 76 Förderbescheiden umgesetzt.

Änderung zur Schülerbeförderung 

Der Kreistag wurde über die geplante Änderung der Schülerbeförderungssatzung des Zweckverbandes Verkehrsverbund Mittelsachsen (ZVMS) informiert. Die vorgeschlagenen Änderungen sollen ab dem Schuljahr 2026/2027 wirken. Der Eigenanteil bleibt unverändert bei 15 Euro und wird an den Preis des Bildungstickets gekoppelt. Um die aktuell hohen Kosten des freigestellten Schülerverkehrs zu reduzieren, werden für die Eltern Anreize geschaffen: Der zu leistende Eigenanteil kann um 40 Prozent reduziert werden, wenn eine Strecke des Schulweges mit einem Privatfahrzeug erfolgt. Zugleich wird die Wegstreckenpauschale von aktuell 30 auf nunmehr 35 Cent pro Kilometer angehoben. In diesem Zusammenhang erfolgte auch eine Neuregelung der Voraussetzungen zur Pkw-Beförderung im Verhältnis zur Beförderung im Rahmen des freigestellten Schülerverkehrs: Ist die Beförderung zur nächstgelegenen Schule mit Privatfahrzeugen unter dem Strich wirtschaftlicher für den ZVMS, erfolgt die Genehmigung. Alle Informationen zur Satzungsänderung werden bei Genehmigung dieser auf der Seite www.vms.de veröffentlicht.

Bildungsticket

Änderungen gibt es auch beim Eigenanteil des Bildungstickets der Eltern von Grundschulkindern. Aktuell beträgt dieser 5 Euro im Monat, bei Kindern und Jugendlichen in höheren Klassenstufen 15 Euro. Dies ist auch der reguläre Preis für alle Altersgruppen in Sachsen. Dieses Bildungsticket wird intensiv gefördert, der eigentliche Tarifpreis liegt laut Verkehrsverbund bei monatlich 50 Euro. Mit der Einführung des Bildungstickets entschied sich der Kreistag als Übergang zwischen dem alten Tarif und dem neuen Bildungsticket zehn Euro Eigenanteil bei den jüngeren Kindern zu übernehmen. Damit sollte der damalige Preissprung abgefedert werden. Die Kosten betragen rund 500.000 Euro pro Jahr für den Kreis. Hinzu kommt ein großer bürokratischer Aufwand in der Abarbeitung. Die aktuelle finanzielle Lage des Kreises ist kritisch. Daher beriet der Kreistag, ob diese 10 Euro im Monat und Kind weiter übernommen werden können und wenn ja, wie es finanziert werden könnte. Es gab seitens der Fraktionen mehrere Anträge und eine umfassende Debatte. Im Ergebnis entschied eine Mehrheit die bisherige Unterstützung auslaufen zulassen. Eine Finanzierung der Weiterführung hätte unter anderem Einschnitte in das Angebot des Busverkehrs an Wochenenden und in den Ferien sowie eine Reduzierung der Sportförderung bedeutet. Herausgearbeitet wurde aber auch deutlich, dass es soziale Leistungen (Bildung und Teilhabe) gibt, die bei den Kosten des Bildungsticktes eine Entlastung für Familien bedeuten könnten. Daher soll auf verschiedenen Wegen offensiv über diese Leistungen und deren Beantragung informiert werden.

Rettungsdienst: Leistung werden vergeben

Der Landkreis ist rechtlich verpflichtet, die Leistungen des Rettungsdienstes regelmäßig auszuschreiben. „Es ist ein sehr umfassendes Verfahren, das uns nur mit einer guten juristischen Begleitung gelingen kann“, erklärt der Leiter der Abteilung Ordnung, Sicherheit und Veterinärwesen Steffen Kräher. Mittelsachsen ist dabei in verschiedene Rettungswachenbereiche eingeteilt. Für einige davon ist das Verfahren fast abgeschlossen. Der Kreistag befasste sich in seiner Sitzung damit, welche Unternehmen mit ihren Mitarbeitenden künftig die Kranken- und Rettungswagen steuern. „Im Ergebnis ändert sich nichts. Unsere bisherigen, sehr zuverlässigen Vertragspartner sollen die gleichen bleiben“, so Kräher. Aus den Rettungswachen Penig, Rochlitz, Eppendorf, Flöha und Geringswalde rücken auch in Zukunft die Beschäftigen der Johanniter Unfallhilfe aus. Das Deutsche Rote Kreuz arbeitet weiterhin in den Wachen in Leisnig, Döbeln, Naußlitz beziehungsweise ab demnächst in Roßwein, Frankenberg, Hainichen und Mittweida. Das Auftragsvolumen liegt bei über 260 Millionen Euro. Neu gestartet werden müssen die Verfahren für die Wachen in Burgstädt, Freiberg, Mulda, Clausnitz, Brand-Erbisdorf und Dittmannsdorf. Die neuen Verträge sollen ab 1. Februar 2027 laufen. Neue Vergaben sind dann wieder in sieben Jahren geplant. Kräher betont, dass die Versorgungssicherheit jederzeit gewährleistet ist. Der Landkreis Mittelsachsen ist Aufgabenträger des bodengebundenen Rettungsdienstes, der sowohl die Notfallrettung als auch den Krankentransport umfasst. Im Jahr 2024 verzeichnete der Rettungsdienst im Landkreis rund 28 800 Einsätze mit Krankentransportwagen (KTW), 41 600 Einsätze mit Rettungswagen (RTW) sowie 12 600 Einsätze mit Notärzten (NEF).

Ausbildungsstätte für Straßenwärter in Zwickau

Mittelsachsens Straßenwärter werden auch künftig in Zwickau ausgebildet. Der Kreistag stimmte einer Vereinbarung mit dem Landkreis Zwickau, der ein entsprechendes Ausbildungszentrum unterhält, zu. Auch andere Landkreise nutzen den Standort und sind ebenfalls Vertragspartner. „Wir haben gemeinsam mit unseren bisherigen Azubis sehr gute Erfahrungen mit dem Zentrum gemacht und freuen uns, dass die erfolgreiche Kooperation fortgesetzt wird“, erklärt der zuständige Leiter der Abteilung Organisation und Personal Mario Lienert. In Mittelsachsen lernen derzeit elf Jugendliche den Beruf des Straßenwärters. „Ein Beruf zur Verbesserung der Sicherheit auf unseren Straßen, der vielfältig und sehr modern ist“, so Lienert. Unter dem Stichwort „Karriere“ gibt es auf der Internetseite www.landkreis-mittelsachsen.de ausführliche Informationen zum Berufsbild.

Verkauf von Geschäftsanteilen

Der Landkreis verkauft seinen Geschäftsanteil an der Technologieorientiertes Gründer- und Entwicklungszentrum Leisnig/Döbeln GmbH (TGE) zum Jahresende. „Die Stadt Leisnig ist auf uns zugekommen. Sie möchte unseren Anteil erwerben. Die Bedeutung der Beteiligung nahm über die Jahre ab“, so der Erste Beigeordnete Dr. Christoph Trumpp. Der finale Kaufpreis wird mit dem Jahresabschluss ermittelt, er rechnet mit rund 30.000 Euro.

Billigung der Einreichung von Projektskizzen für das Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten"

Der Landkreis bewirbt sich um Fördermittel aus dem neuen Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“. Der Kreistag hat einen entsprechenden Grundsatzbeschluss gefasst, dass für drei Vorhaben Projektskizzen eingereicht werden. „Die Zeitschiene ist knapp bemessen. Erst seit dem 15. November kennen wir sämtliche Förderbedingungen. Zugleich müssen unsere Projektskizzen jedoch bis zum 15. Januar vollständig eingereicht werden“, erläuterte der Landrat. Die Förderquote liege bei 45 Prozent. „Die sogenannte Sportmilliarde des Bundes ermöglicht uns, bauliche und funktionale Defizite an den Sporthallen des BSZ Julius Weisbach in Freiberg und des Gymnasiums in Flöha sowie der Außenanlage des Cotta-Gymnasiums in Brand-Erbisdorf zu beheben“, so Sven Krüger. In Freiberg seien Arbeiten am Dach sowie der Außenfassade vorgesehen. In Flöha stehen unter anderem der Austausch der Lüftungs- sowie die Sanierung der Trinkwasseranlage in der Projektbeschreibung. Und für Brand-Erbisdorf plant der Kreis die Neugestaltung der Außenanlagen sowie den der Umbau der Turnhalle zur Mehrzwecknutzung. „Damit könnten wir an den drei Standorten die Nutzbarkeit für den Schul- und Vereinssport langfristig und unter nachhaltigen Gesichtspunkten sichern“, sagte der Landrat. Die Projektskizzen werden im Rahmen des Interessenbekundungsverfahrens eingereicht. „Ob und wenn ja welches unserer Projekte ausgewählt wird, obliegt dann dem Haushaltsausschuss des Bundestages“, betonte Krüger.

Neue Abteilungsleitungen bestellt

Zum 1. Januar 2026 sollen im Rahmen einer Strukturänderung aus der Abteilung Organisation und Personal die Abteilung Digitalisierung und Informationstechnik sowie die Stabsstelle Personalmanagement gebildet werden. Diese Strukturänderung verfolgt das Ziel, die Aufgabengebiete fokussiert in einer Abteilung zu bündeln und insbesondere Schnittstellen zwischen der Informationstechnik und der Digitalisierung, speziell auf der Ebene der Prozessanpassung und Prozessoptimierung, besser zu bedienen. „Nur so ist es perspektivisch möglich, den Anforderungen der Digitalisierung gerecht zu werden und gleichzeitig ein höheres Maß an Bürgerfreundlichkeit zu erzielen“, so Landrat Sven Krüger. Der Kreistag hat Florian Keßler zum Leiter dieser neuen Abteilung bestellt. Er wird seine Arbeit spätestens zum 15. Januar 2026 aufnehmen.
Infolge der durch den Kreistag beschlossenen Strukturänderung sowie der Wahl von Dr. Christoph Trumpp zum Ersten Beigeordneten ist die Leitung der Abteilung Finanzen und Controlling aktuell nur kommissarisch besetzt. Zum 1. Januar übernimmt Maria Rother die Abteilungsleitung. Sie ist seit 2016 in verschiedenen Funktionen innerhalb der Landkreisverwaltung tätig, seit 2022 als Referatsleiterin Finanzsteuerung und Zentrales Controlling.

Michael Tanne (rechts) geht zum Jahresende in den Ruhestand. Landrat Sven Krüger verabschiedete den Regiobus-Geschäftsführer im Rahmen der Kreistagssitzung.

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