Aus der Sitzung des Kreistages vom 30. September 2026

01.10.2026

Themen waren unter anderem die Haushaltslage, der Ausbau des Bürgerservices, die Schulnetzplanung, die Seniorenpolitik, die Rettungswache Burgstädt sowie der Kreisstraßenbau. Zudem wurden Personalentscheidungen getroffen.

Haushalt: Landkreis verzeichnet hohes Defizit
„Die Haushaltslage des Landkreises ist sehr kritisch“, so beschreibt es der mittelsächsische Kämmerer und 1. Beigeordnete Dr. Christoph Trumpp. Anlass bildet der Bericht zum Stand der Umsetzung des aktuellen Haushaltes 2026. Demnach wird dieses Jahr mit einem Defizit von rund 62 Millionen Euro abgeschlossen. Nach einer aktuellen Prognose sind die Barmittel, beziehungsweise liquiden Mittel, Ende des Jahres verbraucht und der Kreis mit rund 20 Millionen Euro im Dispokredit. Dr. Trumpp: „Damit wird deutlich, dass wir unsere eigentlichen Aufgaben nicht mehr aus unseren eigenen Mitteln erfüllen können – und wir haben kaum einen Einfluss darauf.“ Denn eine wesentliche Ursache für das Defizit seien weiterhin die hohen Sozialausgaben, die in der Regel durch den Bund gesetzlich definiert wurden. Allein für die Bereiche Jugend und Familie sowie Soziales werde mit einem Mehrbedarf in Höhe von zwölf Millionen Euro bis zum Jahresende gerechnet. Der Beigeordnete betont, dass es zwar auch positive Effekte im Haushalt gibt, „diese können jedoch die Defizite bei Weitem nicht ausgleichen“. Als Beispiele für die positiven Effekte nannte er geringere Bewirtschaftungskosten für Winterdienst und Heizen im Bereich der Liegenschaften infolge günstiger Witterungsverhältnisse sowie gute Ausschreibungsergebnisse im Bereich der Digitalisierung. 
Nach Angaben des 1. Beigeordneten verdeutliche der Haushaltsbericht, dass keine finanziellen Spielräume bestünden. Es sei wichtig, dass „der Freistaat diese großen Probleme“ erkannt habe und im Zuge des Finanzausgleichs eine Verbesserung erreichen wolle. „Diese Lösungsansätze befinden sich noch im Entwurfsstadium, daher können wir die genauen Zahlen noch nicht nennen, aber es wird nicht der große abschließende Schritt nach vorn“, ergänzt Landrat Sven Krüger. Daher sei es wichtig, dass an einer Verbesserung der kommunalen Situation auch auf Bundesebene gearbeitet werde.
„Dennoch ist auch klar, dass wir als Landkreis selbst unsere Potenziale zur Einsparung von Geldern heben müssen. Daher wurde dem Kreistag das Haushaltsstrukturkonzept zur Kenntnisnahme vorgelegt“, so Sven Krüger. Dieses bündele zunächst konkrete Ideen und Vorschläge, die für die Aufstellung des neuen Haushaltes 2027/2028 eine Diskussionsgrundlage darstellen sollen. „Fakt ist: Einige Punkte sind mit Investitionen verbunden und die Effekte werden mittel- und langfristig zu spüren sein, aber wir müssen uns dem stellen“, so der Landrat.
Vorschläge der externen Berater, die beim Aufstellen des Haushaltsstrukturkonzeptes unterstützten, sind beispielsweise verwaltungsinterne Prozesse genau anzusehen, eine zentrale Bearbeitung von Förderrichtlinien des Landkreises sowie den Abruf von Daten anderer Behörden zu verbessern. Hinzu kommen die Konsolidierung des Immobilienbestandes, die Einführung einer elektronischen Aktenverwaltung im gesamten Landratsamt, die Optimierung von Beschaffungen und die Erweiterung des Bürgerservice mit einem sogenannten Frontoffice für die Beratung der Bevölkerung und einem sogenannten Backoffice für die eigentliche Sachbearbeitung. Im Ergebnis soll die Verwaltung so auch mit weniger Personal auskommen. Es sind insgesamt mehr als 60 einzelne Maßnahmen. „Die Vorschläge liegen auf dem Tisch und wir müssen jetzt schauen, was wir davon umsetzen. Es sind klare Hausaufgaben an die Gremien und die gesamte Verwaltung, sich mit den Vorschlägen und deren Konsequenzen auseinanderzusetzen. Wir haben den deutlichen Druck, effizienter zu werden und damit Geld einzusparen – gleichzeitig bietet sich die Chance, den Landkreis positiv weiterzuentwickeln“, betont der Landrat abschließend. 

Landkreis plant drei Bürgerzentren
Der Bürgerservice des Landratsamtes wird weiter verbessert. Dafür sollen in Freiberg, Mittweida und Döbeln sogenannte Bürgerzentren entstehen. Zahlreiche Anliegen der Verwaltung können dort gebündelt erledigt werden, wie zum Beispiel Unterstützung bei Anträgen aus dem sozialen Bereich oder die Zulassung eines Fahrzeugs. Das genaue Leistungsspektrum wird derzeit erarbeitet. „Mit diesen Zentren wird die Verwaltung gleichzeitig effizienter“, so Landrat Sven Krüger. Die Erledigung der Aufgaben werde geteilt: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten in der Beratung und Antragsannahme mit den Bürgerinnen und Bürgern und im Hintergrund arbeiten Beschäftigte die Anliegen in den speziellen Verfahren ab. „Im Bereich der Abteilung Soziales haben wir bisher gute Erfahrungen gemacht. Unser wichtigstes Ziel dabei bleibt, die Bearbeitungszeiten schnellstens zu reduzieren“, verdeutlicht Krüger. 
Der Kreistag befasste sich in seiner Sitzung mit dem Aufbau der Zentren in Mittelsachsen und traf dabei eine Grundsatzentscheidung. Demnach wird das Bürgerzentrum in der Freiberger Bergstiftsgasse im ehemaligen Beruflichen Schulzentrum entstehen. Auch der Freiberger Bahnhof war als Standort in der Prüfung, wirtschaftlicher ist aber der Umbau des landkreiseigenen Objektes Bergstiftsgasse, das auch weiterhin vom Freiberger Kolleg genutzt wird. Neben dem Bürgerzentrum wird auch die Ausländer- und Asylbehörde ihren Sitz in der Bergstiftsgasse haben und damit aus Brand-Erbisdorf umziehen. Nach der Entscheidung können nun die eigentlichen Planungsleistungen ausgeschrieben werden. Zusätzlich werden Planungen für die Weiterentwicklung des Hauptgebäudes an der Frauensteiner angeschoben. 
In Döbeln wird das Gebäude der jetzigen Kfz-Zulassungsstelle und Fahrerlaubnisbehörde an der Straße des Friedens bis Ende 2028 zum Bürgerzentrum umgebaut. Gleichzeitig sollen die Flächen in den Gebäuden in Döbeln besser ausgenutzt werden. Ziel sei, den Standort Bahnhofsstraße 22 aufzugeben. Sven Krüger betont, dass mit der Entwicklung der Standorte eine bessere Ausnutzung der Verwaltungsimmobilien erfolgt. „Die Bewirtschaftungskosten liegen insgesamt bei gut 2,5 Millionen Euro. Wenn zum Beispiel die Landkreisverwaltung die Bahnhofstraße in Döbeln aufgibt, reduzieren sich die Bewirtschaftungskosten um rund 65.000 Euro.“ Für Mittweida wird noch ein passendes Konzept erstellt, mit der Stadt ist die Verwaltung hierzu in Kontakt. „Ziel ist, dass alle drei Bürgerzentren nah der der Innenstadt liegen und auch mit dem ÖPNV erreichbar. In Freiberg und Döbeln ist dies mit der Standortauswahl erreicht“, betont Krüger. 

Schulnetzplanung: ausgewogenes Bildungsangebot für Mittelsachsen

Der Kreistag befasste sich in seiner Sitzung mit der Schulnetzplanung für allgemeinbildende Schulen und Schulen des zweiten Bildungsweges. „Ziel ist, trotz des überregionalen Trends der allgemein sinkenden Schülerzahlen auch weiterhin ein umfassendes und möglichst regional ausgewogenes Bildungsangebot in Mittelsachsen zu gewährleisten“, erklärte Landrat Sven Krüger.
Im Ergebnis der Planung ist festzustellen, dass zum Planungsstand die große Mehrheit der Grundschulen in öffentlicher Trägerschaft langfristig fortgeführt werden kann. Für etwa ein Fünftel der Grundschulen wird voraussichtlich die Etablierung jahrgangsübergreifenden Unterrichts erforderlich werden. „Verschiedene Kommunen kommunizieren hierbei, dass betroffene Standorte zunächst über eine Anpassung der Schulbezirke gesichert werden sollen“, so der 1. Beigeordnete Dr. Christoph Trumpp. Für etwa die Hälfte aller mittelsächsischen Oberschulen in öffentlicher Trägerschaft gelte der Status quo. „Die anderen Oberschulen können über die Ausnahmeregelung für Schulen im ländlichen Raum als einzügige Oberschule fortgeführt werden. Verschiedenen Schulträgern liegt hierbei die Genehmigung zur einzügigen Fortführung bereits vor“, so Dr. Trumpp. Zwei Schulträger würden gern eine sogenannte „Oberschule+“ etablieren. Das heißt, dort sollen die Klassenstufen eins bis zehn in einem Haus unterrichtet werden.
Für die Gymnasien im Landkreis bestehe ebenfalls kein Handlungsbedarf. „An Förderschulen mit dem Schwerpunkt Lernen gehen wir aufgrund der allgemein rückläufigen Schülerzahlentwicklung davon aus, dass Maßnahmen erforderlich sein werden“, so Dr. Christoph Trumpp.
Die Prognosen der Schulnetzplanung basieren unter anderem auf folgenden gesetzlich vorgeschriebenen Bestandteilen: die schulscharfe Betrachtung der voraussichtlichen Schülerzahlentwicklung für einen Planungszeitraum von zehn Schuljahren und der sich daraus ergebenden Bedarfsermittlung sowie einer langfristigen Zielplanung mit Ausführungsmaßnahmen und Standortplan. „Im Planungsprozess erfolgte eine Beteiligung aller öffentlichen Schulträger des Landkreises“, betont Dr. Christoph Trumpp. Nach dem Kreistagsbeschluss erfolge die Beantragung der Genehmigung der Schulnetzplanung beim Sächsischen Staatsministerium für Kultus.

Berufsfachschule für Pflegefachassistenz geplant
Ab 2027 gibt es eine neue bundeseinheitliche Ausbildung in der Pflegefachassistenz, die die bisher landesrechtlich geregelte Ausbildung in der Pflegehilfe ersetzen wird. Die neue Ausbildung verbindet Theorie und Praxis und bereitet auf den Einsatz in verschiedenen Bereichen der Pflege vor. Das Berufliche Schulzentrum (BSZ) für Agrarwirtschaft, Ernährung und Hauswirtschaft Freiberg mit Fachschulzentrum Freiberg-Zug hat vor, den Bildungsgang Pflegefachassistenz anzubieten. Eine von der Schulleitung des BSZ durchgeführte Bedarfsanalyse weist darauf hin, dass verschiedene regionale Pflegeeinrichtungen Interesse an einer Ausbildungskooperation zeigen. „Die Etablierung des Bildungsganges ist damit nicht nur als sinnvolle Ergänzung des Ausbildungsangebotes des BSZ zu sehen, sondern darüber hinaus als notwendige zukunftssichernde Entwicklung, insbesondere unter dem Aspekt des allgemeinen Fachkräftemangels im Bereich Pflege“, so Landrat Sven Krüger. Mit dem Kreistagsbeschluss erfolgt anschließend die Beantragung der Genehmigung der Erweiterung des Beruflichen Schulzentrums für Agrarwirtschaft, Ernährung und Hauswirtschaft Freiberg mit Fachschulzentrum Freiberg-Zug um die Berufsfachschule für Pflegefachassistenz.
Das Berufliche Schulzentrum Döbeln-Mittweida zieht eine Etablierung des Bildungsganges ebenfalls in Betracht. Eine entsprechende Kreistagsbefassung ist für Dezember vorgesehen. 
Das Sächsische Staatsministerium für Kultus wurde im Rahmen erster Gespräche zum vorgelegten Entwurf der Teilschulnetzplanung für die berufsbildenden Schulen über das Interesse beider Beruflichen Schulzentren am Bildungsgang informiert. Es stellt den Teilschulnetzplan für die berufsbildenden Schulen im Einvernehmen mit den Landkreisen und Kreisfreien Städten auf. Der Anhörungsentwurf zur Planung wird für November 2026 erwartet. Eine Befassung ist im Kreistag im kommenden Jahr vorgesehen.

Sachsenfonds: Kreistag entscheidet über Bauprojekte an Kreisstraßen
Der Kreistag hat festgelegt, welche Maßnahmen aus dem Sachsenfonds, Förderarm Straßenbau finanziert werden können. Der Fonds verfügt über Geld aus dem sogenannten Sondervermögen der Bundesregierung. Sechs Maßnahmen werden über dieses Programm gefördert, der Eigenanteil für den Kreis ist sehr gering. 
Im März kommenden Jahres beginnt der Bau des Radweges an der Kreisstraße 8214 von Kaltofen in Richtung Berbersdorf mit einer Gesamtlänge von einem Kilometer. Der Radweg verläuft entlang der Kreisstraße, unter der Autobahn hindurch und endet am Abzweig zum Ausflugspunkt Kalkbrüche. Investiert werden mehr als 750.000 Euro, 85 Prozent der Kosten trägt der Freistaat. Die notwendigen Eigenmittel stellt nicht der Landkreis, sondern die Gemeinde. Dies ist Bestandteil eines Vertrages. „Eigentlich sollte das Vorhaben aus einem anderen Programm gefördert werden, dort ist aber kein Budget mehr verfügbar“, erklärt die Leiterin der Abteilung Straßen Claudia Landgraf. 
Ein weiterer Radweg entsteht im kommenden Jahr an der Kreisstraße 8215 in Grünlichtenberg, Gemeinde Kriebstein, auf einer Länge von 1,6 Kilometern. Investiert werden ebenfalls über 700.000 Euro, die Eigenanteile stammen auch hier von der Kommune. Eine entsprechende Vereinbarung ist in Vorbereitung, darüber wird final der Kreistag entscheiden. 
Wegen seiner großen überregionalen Bedeutung wird der Kreis den Eigenanteil für den Radweg an der Kreisstraße 7512 bei Döbeln übernehmen. Das neue Stück stellt einen Lückenschluss zwischen dem Rübenbahnweg und den Jahnatalweg dar. Es umfasst 600 Meter und soll in zwei Jahren umgesetzt werden. Die Verwaltung rechnet mit einer Investition von rund 300.000 Euro. 
Die Talsperre Kriebstein wird besser mit dem Fahrrad erreichbar. Der Kreis plant einen drei Kilometer langen Radweg entlang der Kreisstraße 8214 – von der Staatsstraße bis zum Parkplatz der Talsperre. Parallel soll auch der Straßenbau erfolgen, damit ist dann die Kreisstraße vom Burgberg an vollständig saniert. Investiert werden mehr als fünf Millionen Euro. „Ein komplexes Vorhaben, daher wird mit einem Umsetzungsstart 2030 gerechnet. Es wird mit einer Bauzeit von zwei Jahr geplant“, erklärt Landgraf. 
Ein ebenso komplexes Vorhaben ist der Neubau der Gadewitzer Brücke in Großweitzschen. Sie überquert eine Bahnstrecke, ist baufällig und kann daher nur von Fußgängerinnen und Fußgängern genutzt werden. Im kommenden Jahr erfolgen der Abriss der alten Brücke und der Aufbau einer provisorischen Fußgängerbrücke. In zwei Jahren erfolgt dann der eigentliche Neubau. Investiert werden über fünf Millionen Euro. Neben dem Sachsenfonds erfolgt die Finanzierung auch nach dem Eisenbahnkreuzungsgesetz. Alle Bauschritte werden mit der Deutschen Bahn abgestimmt, da Streckensperrungen notwendig werden. 
Die Leiterin der Abteilung Straßen im Landratsamt Claudia Landgraf betont: „Das Budget aus dem Sachsenfonds für Kreisstraßen ist noch nicht ausgeschöpft. Das Förderprogramm läuft über zwölf Jahre, daher haben wir uns bewusst entschieden später über weitere Maßnahmen zu entscheiden und uns noch nicht zu sehr zu binden.“

Neukalkulation der Kosten der Unterkunft
Zum 1. Januar 2027 tritt im Landkreis Mittelsachsen eine Änderung der Richtlinie zur Gewährung von Kosten der Unterkunft und Heizung in Kraft. Sie bildet die Grundlage für die Gewährung von sozialen Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts, z. B. vom Jobcenter Mittelsachsen oder vom Sozialamt des Landratsamtes Mittelsachsen. Sie regelt, welche Unterkunftskosten für die Bewilligung der Sozialleistungen angemessen sind. Ein externes Büro hat die aktuellen Werte der Brutto-Monatskaltmiete geprüft, diese wurden im Ergebnis erhöht. Innerhalb des Kreises gibt es fünf Vergleichsräume mit unterschiedlichen Mietniveaus: die Mittelbereiche Döbeln, Mittweida und Freiberg, das Chemnitzer Umland und die Stadt Freiberg. Bedarfsgemeinschaften im Zwei-Personen-Haushalt erhalten künftig beispielsweise im Bereich Döbeln bis zu 428 Euro pro Wohnung anstatt bisher bis zu 400 Euro pro Wohnung, in der Stadt Freiberg erhöht sich der Betrag der angemessenen Unterkunftskosten um 30 Euro auf bis zu 480 Euro pro Wohnung.

Kreis und Gesellschaften setzen Klimaschutzkonzept um
Für den Landkreis Mittelsachsen sind Klimaschutzmaßnahmen kein zusätzliches Projekt, sondern integraler Bestandteil seines Handelns. Das zeigt sich in einzelnen konkreten Maßnahmen. An den Verwaltungsstandorten Döbeln, Mittweida und Freiberg gibt es insgesamt 25 Ladesäulen für Elektrofahrzeuge. Zudem wurde die Dienstfahrzeugflotte um umweltverträgliche Antriebsformen erweitert. „Von den 135 Dienstfahrzeugen sind derzeit 20 Prozent mit Hybrid- beziehungsweise Elektroantrieben ausgestattet“, informiert Mittelsachsens 1. Beigeordneter Dr. Christoph Trumpp. An mehreren Objekten des Landkreises sind Solaranlagen in Betrieb, beziehungsweise wurden in Betrieb genommen, darunter am Gymnasium Rochlitz, den Rettungswachen in Roßwein und Frankenberg oder die neue PV-Anlage für das Fachschulzentrum Freiberg-Zug. Grundsätzlich werden bei Neubauten Solaranlagen mit errichtet und im Zusammenhang mit Dachsanierungen geprüft. „Wir setzen damit Stück für Stück das Integrierte Klimaschutzkonzept um. Weitere Maßnahmen, die klein erscheinen, aber einen großen Einspareffekt haben, sind die Umrüstung auf LED-Beleuchtung im Innen- und Außenbereich in Klassenzimmern, Turnhallen und an Gebäuden“, erläutert er. Auch durch den Austausch alter Fenster, wie kürzlich im Wohnheim Freiberg-Zug erfolgt, könne Energie eingespart werden. 
Er gab zudem einen Überblick, welche Maßnahmen die Gesellschaften des Kreises bereits umgesetzt haben – nahezu überall spielen Elektromobilität sowie die Installation von PV-Anlagen eine Rolle. „Die Landkreis Mittelsachsen Servicegesellschaft hat zudem für Wege innerhalb Freibergs E-Bikes beschafft, auf dem Firmengelände schattige Plätze angelegt und 20 Obstbäume gepflanzt“, so Dr. Trumpp. Die SAXONIA Standortentwicklungs- und -verwaltungsgesellschaft mbH hält zwei Bienenvölker, hat am Hammerberg in Freiberg infolge der Deponieflächensanierung ein spezielles Eidechsenhabitat geschaffen und bereits im April 2023 auf rund 13.000 Quadratmetern Grünland zwischen Freiberg und Halsbrücke rund 5.300 Bäume neu gepflanzt. Die Mittelsächsische Theater und Philharmonie gGmbH achte einerseits im Sinne der Kreislaufwirtschaft auf eine stringente Trennung der Materialien von abgenutzten Bühnenbildern sowie andererseits auf einen sehr hohen Wiederverwendungsgrad der Bühnenbilder und Kostüme. „Bühnendekorationen sind jeweils für zwei Produktionen konzipiert“, erläutert Dr. Trumpp. Als weiteres Beispiel für die Umsetzung von Baumaßnahmen im Sinne des Klimaschutzkonzeptes nennt er das neue, vom Zweckverband Kriebsteintalsperre errichtete, Sozialgebäude an der Seebühne Kriebstein „mit optimierten energetischen Eigenschaften: LED-Beleuchtung, gute Wärmedämmung, PV-Anlage, Heizung“. Die Entsorgungsdienste Kreis Mittelsachsen GmbH haben im Sommer den modernen Wertstoffhof in Mittweida in Betrieb genommen. Im kommenden Jahr soll Brand-Erbisdorf nachziehen, 2028 entsteht in Freiberg der Wertstoffhof der Zukunft. „Die Bandbreite, mit denen sichtbare und messbare Effekte eintreten können, ist groß. Manchmal sind es kleine Stellschrauben, wie die Nutzung des ÖPNV für Dienstreisen. Manchmal sind erst Investitionen erforderlich, um langfristig Einsparpotenziale zu erzielen. Doch im Sinne der Nachhaltigkeit und des Klimaschutzes lohnt sich der Mix aus all dem“, so Dr. Christoph Trumpps Fazit.

Saxonia bekommt eine Tochterfirma
Der Kreistag des Landkreises Mittelsachsen hat die Gründung der Saxonia-Entsorgungs GmbH beschlossen. Gemeinsam mit einem privaten Partner beabsichtigt die SAXONIA Standortentwicklungs- und -verwaltungsgesellschaft mbH eine Deponie der Deponieklasse II zu errichten und zu betreiben. Dabei geht es um die Ablagerung von belasteten, aber rechtlich als nicht gefährlich eingestuften Abfällen, wie Gewerbeabfall, Schlacken, Sande und Aschen aus Verbrennungsanlagen sowie Bauschutt. Die dafür in Sachsen zur Verfügung stehenden Deponiekapazitäten schwinden kontinuierlich und führen zu sehr weiten Transportwegen und somit zu hohen Kosten für die regionale Wirtschaft. Gemeinsam mit seiner Tochtergesellschaft und dem privaten Partner, der Bö-Fi Transport und Logistik GmbH, leistet der Landkreis damit einen Beitrag zur Stärkung der regionalen Wirtschaft und für kurze Transportwege, die die CO₂-Bilanz verbessern. Bevor die Deponie errichtet werden kann, ist aber ein mehrjähriges Planungs- und Genehmigungsverfahren zu durchlaufen.

Planungs- und Bauleistungen für Burgstädter Rettungswache vergeben
Landrat Sven Krüger informierte den Kreistag darüber, dass ein weiterer wichtiger Schritt für den Neubau der Rettungswache in Burgstädt gemacht wurde: Im Mai beauftragte er die Worschech Architekten Planungsgesellschaft mbH aus Erfurt mit der Objektplanung. Im Rahmen der Sitzung präsentierte der Leiter der Abteilung Gebäude und Liegenschaften Dr. Christoph Menzel die Visualisierung. „Es ist ein qualitativ hochwertiger, funktionaler und wirtschaftlicher Entwurf“, so sein Urteil. In den Entwurf seien auch städtebauliche Vorgaben seitens der Stadt eingeflossen, damit sich das Gebäude harmonisch ins Ortsbild einfügt. „Das Honorar für diesen Teil der Objektplanung beträgt rund 440.000 Euro“, so Dr. Menzel. Ebenfalls beauftragt wurden die Fachplanungen für Heizung/Lüftung/Sanitär sowie Elektrotechnik/Elektroinstallation, Tragwerk und die Freianlage. „Aktuell wird die Vorplanung durch das Planungsteam bearbeitet“, so Dr. Menzel. Das bisherige Gebäude der Rettungswache in Burgstädt ist seit Jahren sanierungsbedürftig. Der Landkreis hat einen Ersatzneubau beschlossen. Die Stadt Burgstädt stellte 2024 das passende Grundstück an der August-Bebel-Straße/Dr.-Heinrich-Hahn-Straße zur Verfügung. „Die Fertigstellung und Inbetriebnahme des Neubaus mit einer Nutzungsfläche von 960 Quadratmetern sind für Juni 2029 geplant“, so Dr. Menzel. Acht Stellplätze für Einsatzfahrzeuge, eine Waschhalle sowie die dazugehörigen Technikräume und ein Sozialbereich für insgesamt 65 Mitarbeitende finden dort dann ihren Platz. 

Kreistag beschließt seniorenpolitische Strategie „Gemeinsam fürs Alter"
Der Kreistag hat die seniorenpolitische Strategie „Gemeinsam fürs Alter" beschlossen. Sie wurde seit 2024 gemeinsam mit der Hochschule Mittweida erarbeitet und gibt erstmals einen verbindlichen Orientierungsrahmen für die Seniorenpolitik bis 2031 vor – getragen von einem modernen Altersbild, das ältere Menschen als erfahrene, engagierte und selbstbestimmte Bürgerinnen und Bürger versteht.
Der Umsetzungsfahrplan sieht konkrete Maßnahmen in drei Phasen vor. Kurzfristig gehören dazu etwa mehr Bewegungsangebote und der Ausbau der Wohnberatung. Zentraler Baustein der mittelfristigen Phase bis 2029 ist die Einrichtung der Fachstelle „Zukunft Alter" – künftige Anlaufstelle für ältere Menschen und ihre Angehörigen bei Fragen zu Information, Beratung und Vernetzung vor Ort; ergänzend werden das Pflege- und Demenznetz ausgebaut und das Wohnumfeld seniorenfreundlicher gestaltet. Bis 2031 sollen darüber hinaus mehr kommunale Seniorenräte entstehen und Angebote für Jung und Alt gemeinsam ausgebaut werden.
Umgesetzt wird die Strategie gemeinsam mit den Kommunen, sozialen Trägern und dem Ehrenamt. Wer sich einbringen möchte, kann sich an den Seniorenbeirat des Landkreises wenden. Die E-Mail-Adresse lautet seniorenbeirat@landkreis-mittelsachsen.de.

Personelles
Kreisrat Philipp Obst (AfD) ist er aus dem Kreistag ausgeschieden. Für ihn rückt Marco Kupferschmied nach.
Zum 1. Oktober tritt eine neue Verwaltungsstruktur in Kraft. Der Geschäftskreis „Bauen, Verkehr und Umwelt“ wird von Pia Weißenberg geleitet. Ihre Berufung zur zweiten Beigeordneten soll noch erfolgen. Dem Landrat werden ab Oktober zusätzlich die Bereiche Brand- und Katastrophenschutz sowie Allgemeine Ordnungsangelegenheiten zugeordnet. Der Geschäftsbereich „Soziales und Gesundheit“ inklusive Lebensmittelüberwachungs- und Veterinäramt und dem Jobcenter Mittelsachsen wird durch eine Geschäftsbereichsleitung geführt. Zur neuen Geschäftsbereichsleiterin hat der Kreistag Ilka Junghanns bestellt. „Sie leitet seit Januar 2020 die Abteilung Soziales im Landratsamt und verfügt über eine langjährige Berufs- und Leitungserfahrung in diesem Bereich“, so Landrat Sven Krüger. „Angesichts der anhaltend steigenden Ausgaben für Leistungen im Sozial- und Jugendamt, steigenden Fallzahlen in einzelnen Bereichen, zunehmend komplexen Hilfebedarfen von Menschen, regelmäßigen Gesetzesänderungen sowie nur begrenzt zur Verfügung stehenden personellen und finanziellen Ressourcen stehen wir aktuell vor großen Herausforderungen“, sagt Ilka Junghanns. Sie wolle die anstehenden vielfältigen Aufgaben zielgerichtet mitgestalten, den Geschäftsbereich Soziales und Gesundheit nachhaltig stärken und einen Beitrag dazu leisten, die Landkreisverwaltung zu einer modernen Dienstleistungsbehörde weiterzuentwickeln. „Ich freue mich darauf, die geplanten Reformvorhaben strategisch zu begleiten und gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern umzusetzen. Dabei weiß ich, dass ich auf erfahrenes und engagiertes Personal mit kreativen Ideen und einem verantwortungsbewussten Handeln bauen kann.“ Die 55-Jährige ist seit 2008 in der Kreisverwaltung tätig und leitete seit 2020 die Abteilung Soziales.

Termine
Der Kreistag hat seine regulären Sitzungstermine für das Jahr 2027 beschlossen. Die Mitglieder kommen am 17. März, 30. Juni, 29. September und 8. Dezember im Beruflichen Schulzentrum für Technik und Wirtschaft „Julius Weisbach“ in Freiberg zusammen. Beginn der jeweiligen Kreistagssitzung wird nach aktuellem Stand 15:00 Uhr sein.
Der Landrat informierte den Kreistag über das bevorstehende Literaturfestival „LeseZeichen“, das von der Mittelsächsischen Kultur gGmbH organisiert wird. „Vom 31. Oktober bis 8. November werden Lesungen und literarische Veranstaltungen an außergewöhnlichen Orten stattfinden – an Plätzen, die man nicht sofort mit Literatur verbindet“, so Krüger. Zum Beispiel gebe es Veranstaltungen in Unternehmen in der Region. Einige Lesungen sind frei und ohne Anmeldung zu besuchen. Für andere ist eine Anmeldung beziehungsweise der Ticketkauf erforderlich. Weiterführende Informationen gibt es unter www.kultur-mittelsachsen.de. 

Ilka Junghanns leitet ab 1. Oktober den Geschäftsbereich „Soziales und Gesundheit“. Foto: Lutz Weidler

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