Ausnahmegenehmigungen von der Aufstallungspflicht für Züchter von Wassergeflügel

07.03.2017

Die Landesdirektion Sachsen hat mit Schreiben vom 08.02.2017 die Erteilung von Ausnahmegenehmigungen durch das LÜVA für Züchter von Wassergeflügel für die beginnende Brutzeit auf Grund von vermehrten Tierschutzproblemen nach Prüfung folgenden Bedingungen zugelassen:

  1. Enten und Gänse sind räumlich getrennt von sonstigem Geflügel zu halten (ausgenommen Sentinelhaltung).

  2. Die Weiden müssen eingezäunt sein.

  3. Die Lage des Auslaufes muss ausreichend entfernt von jeglichen Gewässern, Wildvogelsammelplätzen oder anderen von Wildvögeln aufgesuchten Orten sein.

  4. Es sind nur künstliche Badegelegenheiten erlaubt. Diese sind mit Trinkwasser zu füllen und täglich zu entleeren und zu reinigen.

  5. Der Auslauf ist auf den Tag zu beschränken.

  6. Die Fütterung hat im Stall und nicht für Wildvögel zugänglich stattzufinden. Futter ist entsprechend zu lagern.

  7. Es sind im Abstand von maximal drei Wochen Tupferproben zur virologischen Untersuchung zu entnehmen und an die LUA zu senden oder eine Sentinelhaltung durchzuführen.

  8. Jedes verendete Tier ist zur Untersuchung an die Sächsische Landesuntersuchungsanstalt einzusenden. Krankheitsfälle im Bestand sind sofort im LÜVA zu melden.

  9. Für Bestände in Restriktionszonen (Sperrbezirk, Beobachtungsgebiet) sind keine Ausnahmegenehmigungen möglich.

Voraussetzung für die Erteilung der Ausnahmegenehmigung ist nach schriftlichem begründetem Antrag des Tierhalters eine genaue Einzelfallprüfung durch das LÜVA mit Vorortkontrolle der entsprechenden Haltungsbedingungen. Die Genehmigung ist entsprechend Sächsischen Kostenverzeichnis gebührenpflichtig (70,-€ zzgl. Fahrtkosten).

Bitte informieren Sie die Wassergeflügelzüchter Ihrer angeschlossenen Vereine über diese Regelungen.

Für alle Halter anderer Geflügelrassen sind Ausnahmen derzeit nicht möglich. Wir weisen Sie hier nochmals darauf hin, dass eine Haltung von Vögeln unter einer entsprechenden Schutzvorrichung, der Aufstallungspflicht entsprechend der Allgemeinverfügung der Landesdirektion Sachsen vom 14.11.2016 entspricht. Diese Vorrichtung muss gemäß § 13 Abs. 1 Nr. 2 der Geflügelpest-Verordnung aus einer überstehenden, nach oben gegen Einträge gesicherten dichten Abdeckung und einer gegen das Eindringen von Wildvögeln gesicherten Seitenbegrenzung bestehen. Wir verweisen dabei auch nochmals auf die neuste Risikobewertung des FLI vom 13.02.2017:

„Das Auftreten von HPAIV H5N8 in 26 europäischen Staaten und die schnelle Verbreitung weisen darauf hin, dass die räumliche Ausbreitung der Infektion weiterhin mit großer Dynamik erfolgt. Täglich kommen aus verschiedenen Teilen Europas weitere Funde hinzu, häufig sind auch gehaltene Vögel in zoologischen Gärten oder Tierparks betroffen. Mittlerweile haben in Deutschland die Fälle bei Wildvögeln (786 Fälle Stand 17.02.2017) sowie die Ausbrüche bei gehaltenen Vögeln (69) ein nie zuvor gekanntes Ausmaß angenommen. … Aufgrund der aktuellen Verbreitung von HPAIV H5N8 bei Wildvögeln in Europa und in derzeit 15 betroffenen Bundesländern Deutschlands ist nach wie vor von einem hohen Eintragsrisiko in Nutzgeflügelhaltungen und Vogelbestände in zoologischen Einrichtungen durch direkte und indirekte Kontakte zwischen Wildvögeln und Nutzgeflügel auszugehen, insbesondere bei Haltungen in der Nähe von Wasservogelrast- und Wildvogelsammelplätzen, einschließlich Ackerflächen, auf denen sich Wildvögel sammeln.

Oberste Priorität hat der Schutz der Nutzgeflügelbestände vor einer Infektion mit HPAIV H5N8. Hierbei steht die Errichtung einer physikalischen und funktionellen Barriere zwischen den Habitaten von Wildvögeln und den Geflügelhaltungen im Vordergrund. Die Aufstallung von Geflügel und weitere Biosicherheitsmaßnahmen minimieren das Risiko eines direkten und indirekten Kontakts mit infizierten Wildvögeln. Berücksichtigt werden müssen vor allem auch indirekte Eintragungswege, beispielsweise über durch Wildvögel verunreinigtes Futter, Wasser oder verunreinigte Einstreu und Gegenstände (Schuhwerk, Schubkarren, Fahrzeuge usw.). Diese sind zu unterbinden und geeignete Desinfektionsmaßnahmen vorzusehen. Das Verschleppen von Infektionen zwischen Geflügelhaltungen ist zu vermeiden. Hierzu müssen strenge Biosicherheitsmaßnahmen getroffen werden, insbesondere die konsequente Reinigung und Desinfektion von Geräten und Fahrzeugen. Die Überprüfung, Optimierung und konsequente Umsetzung der Biosicherheitsmaßnahmen ist von höchster Bedeutung. Zur Einhaltung von Grundregeln der Biosicherheit sind Geflügelhalter gesetzlich verpflichtet.“