Behindertenbeirat besichtigt „Lieblingsplatz“ in Niedersaida

22.05.2026

Sportstätte und Vereinshaus im Ort sind dank der Förderung nun barrierefrei erreichbar. Das Gremium informiert zudem über Projekte, die aktuell in der Umsetzung sind.

Im Großhartmannsdorfer Ortsteil Niedersaida bestand bisher für Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, keine Möglichkeit ohne fremde Hilfe und nur mit enormer Kraftanstrengung die Sportstätte und das Vereinshaus zu betreten und so am Vereinsleben teilzuhaben. „Gemeinsam mit dem ortsansässigen TSV Saidenbach 1912 Niedersaida e.V. und der Bevölkerung des Ortes entstand der Plan, einen barrierefreien Zugang zum Gebäude und zu den Räumlichkeiten zu schaffen“, erläutert Großhartmannsdorfs Bürgermeister Dirk Müller. Deshalb bewarb sich die Kommune beim Landratsamt um Geld aus dem Förderprogramm „Lieblingsplätze für alle“. Dieses läuft unter der Dachkampagne „Behindern verhindern − Zeit für barrierefreies Handeln“. Mit dem Fördergeld, das der Freistaat zur Verfügung stellt, soll ein gleichberechtigter Zugang zu öffentlich zugänglichen Gebäuden und Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen ermöglicht werden.

„Hier vor Ort ist das durch den Bau einer Betonrampe sowie einer elektrisch betriebenen Türschwellenbühne im Eingangsbereich zur Sportstätte gut gelungen“, sind sich der Bürgermeister sowie die Vorsitzende des mittelsächsischen Behindertenbeirates Cornelia Melzer einig. Das Gremium befasst sich gemeinsam mit Uwe Donner, der im Landratsamt für die Umsetzung des Förderprogramms verantwortlich ist, mit den Projektanträgen.

„Uns als Behindertenbeirat ist es wichtig zu sehen und zu testen, ob das, was auf dem Papier geplant wurde, vor Ort auch wirklich praktikabel ist“, so Cornelia Melzer. Während sie selbst einen Elektrorollstuhl nutzt, treibt ihr Stellvertreter Michael Richter seinen Rollstuhl mit Muskelkraft an. „Die rund 20.000 Euro, die 2025 hierher vergeben wurden, sind sinnvoll investiert“, so Cornelia Melzers Fazit. Jörg Teucher vom Verein, der das Projekt mit initiierte, ist ebenfalls zufrieden: „Die elektrische Türschwellenbühne ist eine wirklich gute Lösung zur Überbrückung des vorhandenen Absatzes.“ Bürgermeister Müller ergänzt: „Ohne Gewährung der Zuwendung wäre diese Maßnahme nicht durchführbar gewesen. Deshalb danken wir dem Landkreis und dem Freistaat für die Möglichkeit.“ Besonders stolz sei er, dass mit der Firma Transporte und Bauservice Sirko Heinitz ein ortsansässiges Unternehmen den Umbau realisieren konnte. 

Während dieses Projekt aus dem Förderjahr 2025 abgeschlossen ist, sollen an anderen Orten in Mittelsachsen dank der diesjährigen Fördermittel unter anderem sieben neue behindertengerechte Toiletten gebaut werden – zum Beispiel im Roßweiner Pfarrhaus, in der Turnhalle Neuhausen, in Haus der Diakonie Döbeln sowie in der Volkshochschule Mittweida. „Der behindertengerechte Zugang wurde im Vorfeld unabhängig von der Förderung hergestellt. Aktuell laufen die Umbauarbeit der behindertengerechten WC-Anlage – konkret am Fußboden. Wir rechnen mit einer Fertigstellung im Sommer. Ziel ist, allen Menschen die Angebote der Volkshochschule und der Musikschule zugänglich zu machen“, so Ingmar Petersohn, Geschäftsführer der Landkreis Mittelsachsen Servicegesellschaft mbH. Die landkreiseigene Tochtergesellschaft ist Besitzerin der unter Denkmalschutz stehenden Gewerbeimmobilie an der Heinrich-Heine-Straße 39. 

In diesem Jahr können laut Uwe Donner insgesamt 15 Lieblingsplatz-Projekte unterstützt werden. „Mittelsachsen stehen dafür rund 307.000 Euro zur Verfügung. Einzelvorhaben werden mit bis zu 25.000 Euro gefördert“, erläutert er. Als weiteres Beispiel nennt er die Schaffung eines barrierefreien Zugangs durch die Anschaffung von drei mobilen, höhenverstellbaren Türschwellenrampen, die variabel zusammenbaubar sind, für das Welt-Theater in Frankenberg. 

„Die Projekte und Lösungsansätze sind vielfältig. Der Abbau von Barrieren nützt nicht nur uns Menschen im Rollstuhl. Davon profitieren auch Menschen, die einen Rollator oder einen Kinderwagen schieben“, so Cornelia Melzer. Der Behindertenbeirat ermutigt Vereine, Kommunen und Privatpersonen, ab September Förderanträge für 2027 zu stellen. „Und wir freuen uns, weitere erfolgreich abgeschlossene Projekte zu besichtigen, auch wenn dies aufgrund unserer ehrenamtlichen Tätigkeit nicht überall möglich sein wird “, sagt die Vorsitzende abschließend.

Die Vorsitzende des mittelsächsischen Behindertenbeirates Cornelia Melzer und ihr Stellvertreter Michael Richter (vorn) schauten sich gemeinsam mit Bodo Stümpges vom Bauamt der Gemeinde Großhartmannsdorf (hinten v.l.n.r.), Bürgermeister Dirk Müller sowie Jörg Teucher vom Verein die elektrisch betriebene Türschwellenbühne im Eingangsbereich zur Sportstätte an.