Die Verwaltung aus der Bürgerperspektive organisieren

11.09.2025

Im Rahmen der Kreistagssitzung am 10. September stellte Landrat Sven Krüger seine Arbeitsschwerpunkte der Verwaltung für die kommenden Jahre vor.

Auf den Punkt gebracht ist es ein ausgewogenes Zusammenspiel zwischen einem stabilen Haushalt und einer Erhöhung der Bürgerfreundlichkeit. Die effiziente Organisation der Verwaltung steht dabei ganz oben. „Alle Punkte greifen ineinander und sind voneinander abhängig. Wichtig ist mir, klare und greifbare Ziele zu benennen. Bei der Umsetzung hoffe ich auf die konstruktive Begleitung und Unterstützung der Gremien und der Verwaltung“, erklärte Sven Krüger eingangs. Es sei wichtig, alle mitzunehmen. Gleichzeitig darf das aktuell sehr große Arbeitsvolumen der Beschäftigten der Landkreisverwaltung in der Abarbeitung nicht außer Acht gelassen werden. „Wir haben engagierte, motivierte und kompetente Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das ist ein großer Schatz, um den Landkreis weiterzuentwickeln.“

Bürgerfreundlichkeit erhöhen durch Bürgerbüros, Bürgersprechstunden, Kommunaltage, Verbesserung der Internetseite

Der Landrat betonte, dass natürlich Menschen und Unternehmen im Fokus stehen. „Aber es gibt Potenzial, das gehoben werden kann“, so Sven Krüger. Sein Ziel ist es, Bürgerbüros des Landratsamtes flächendeckend einzurichten. Es soll ein Konzept erarbeitet werden, welche Leistungen angeboten werden können. „Es gibt im sozialen Bereich gute Erfahrungen mit einem eigenständigen Bürgerservice in Mittweida. Manchmal geht es um kleinere Fragen oder Anliegen, die sofort geklärt werden können. Dies entlastet die Sachbearbeiter“, betont Krüger. Das soll auf das Haus ausgerollt werden, gleichzeitig wird das Landratsamt besser erreichbar.

„Die Verwaltung soll näher an die Bürgerinnen und Bürger“, unterstreicht der Landrat. Daher wird es ab kommenden Jahr wieder die Kommunaltage geben. Mit einer Verwaltungsdelegation wird eine Stadt oder Gemeinde besucht. Nach einem Gespräch mit Stadt- oder Gemeinderat wird es ein Einwohnerforum geben. Geplant ist, den Kommunaltag zunächst einmal im Quartal durchzuführen – mit der Option den zeitlichen Abstand zu verkürzen.

Am 13. November plant der Landrat erstmals eine Bürgersprechstunde zwischen 17:00 und 20:00 Uhr durchzuführen. Interessierte können dann individuell mit ihm sprechen, dafür werden Zeitfenster vergeben. Details werden in Kürze veröffentlicht. Die Sprechstunde soll regelmäßig stattfinden. „Einen klaren Zeitrhythmus werden wir anhand der Erfahrungswerte festlegen“, betont Krüger. Außerdem soll die Internetseite verbessert werden. „Es geht darum, wie komme ich schnell an meine benötigten Informationen“, unterstreicht Sven Krüger. Gerade in einer Zeit, in der immer mehr Anliegen online erledigt werden können, sei dies enorm wichtig. Beispielsweise könne man schon jetzt Anträge für Wohngeld oder Elterngeld online stellen, bald kommt noch der Antrag für den Führerscheinumtausch hinzu. Die Aufgabenfülle des Landratsamtes sei sehr komplex, dies spiegelt sich auch auf der Internetseite wider. „An der einen oder anderen Stelle hilft schon eine einfachere Bezeichnung eines Anliegens, um es zu finden“, erklärt der Landrat. Weiterhin wird er mit seinen Stellvertretern zahlreiche Termine im ganzen Landkreis wahrnehmen, wie bei Vereinsfesten, bei Unternehmen und besonderen Ereignissen in Mittelsachsen. „Sprechen Sie uns an, wenn Sie uns sehen – ob bei den Kommunaltagen oder zu anderen Anlässen. Wie versuchen, Dinge zu klären und wenn es rechtlich nicht zu ändern geht, dann erklären wir es in Ruhe und verständlich.“

Finanzen: eigene Konsolidierung, Reduzierung der Immobilienkosten, einfachere Abläufe in der Verwaltung

„Auf die Haushaltssituation mit dem großen Defizit haben wir nur bedingt Einfluss durch die Regelungen auf Bundes- und Landesebene. Aber dennoch müssen wir unsere Hausaufgaben machen und optimistisch nach vorn blicken“, betont Krüger. Grundlage wird ein Haushaltskonsolidierungskonzept sein. Bei diesem Prozess werde der Haushalt einmal komplett umgedreht, werden viele Posten hinterfragt und analysiert und Vorschläge für eine Kostenreduzierung erarbeitet. Hierbei bedarf es externer Unterstützung, weil dies von der Verwaltung selbst nicht zu leisten ist. Das Konzept werde in den Gremien beraten und diskutiert. 2026 soll es stehen. „Dies ist für den nächsten Doppelhaushalt 2027/2028 notwendig, der zu dieser Zeit aufgestellt wird“, erklärt der Landrat.

Schon sicher ist jetzt: „An den Hauptstandorten der Kernverwaltung in Döbeln, Freiberg und Mittweida wird festgehalten. Aber die vielen kleineren Verwaltungsstandorte müssen abgebaut werden“, so Krüger. Außerdem wird das Projekt „neue Arbeitswelten“ vorangetrieben. „Die Stadt Dresden praktiziert dieses Modell erfolgreich. Der Beschäftigte hat nicht mehr seinen eigenen Schreibtisch, sondern wechselt“, erklärt Krüger. Arbeitsplätze werden durch Urlaub, Krankheit oder Homeoffice nicht genutzt. Durch Arbeitsplatzteilung (sogenanntes Desk-Sharing) könne die benötigte Fläche reduziert werden.

Der Fachkräftebedarf ist überall spürbar. In der Verwaltung wird es immer schwieriger Stellen zu besetzen. Dennoch ist die Aufgabenlast weiterhin hoch. „Wie das gelingt, muss ausgelotet werden. Ein wichtiger Beitrag ist, Prozesse zu straffen, zu beschleunigen und zu optimieren“, so Krüger. Perspektivisch muss die Verwaltung die Aufgaben mit weniger Personal erledigen können.  

Weiterentwicklung des Landkreises

Bei diesen ganzen Vorhaben steht die Weiterentwicklung des Landkreises insgesamt immer als Hauptziel: Mittelsachsen als attraktiver Lebens- und Arbeitsort mit soliden Unternehmen, einem starken Ehrenamt, einem breiten Bildungsspektrum und einer guten Infrastruktur. „Daher gilt es, trotz der Konsolidierung wegweisende Investitionsentscheidungen zu treffen. Denn auch mit Investitionen lässt sich langfristig Geld einsparen, gleichzeitig wird der Kreis modernisiert“, erklärt Sven Krüger. Durch die richtige Prioritätensetzung und die Anwendung von Fördermitteln könne viel bewegt werden. „Hier setzen wir auf die Hilfe des Freistaates und des Bundes, dass der Kreis zum Beispiel die Mittel des sogenannten Sondervermögens mit wenig Vorgaben einsetzen kann.“