Drei Denkmalpreise für besonderes Engagement

14.09.2026

Anlässlich des Tages des offenen Denkmals hat der Landkreis Mittelsachsen drei Denkmalpreise verliehen. Ausgezeichnet wurden Heiner Stephan aus Leisnig, die Arbeitsgruppe „Kirchturm Berthelsdorf“ und die Architekten Colja und Jürgen Wischnewski. 

Die zentrale Eröffnung des bundesweiten „Tag des offenen Denkmals“ für den Freistaat Sachsen fand am Sonntag in Hainichen statt. Dort wurden der Sächsische Kinder- und Jugenddenkmalpreis und die Denkmalpreise des Landkreises Mittelsachsen verliehen. „Dass die zentrale sächsische Eröffnung in diesem Jahr in Hainichen stattfindet, ist eine besondere Anerkennung für unsere vielfältige Denkmallandschaft und für die Menschen, die sich für deren Erhalt einsetzen. Mit den Denkmalpreisen würdigen wir dieses oft langjährige und überwiegend ehrenamtliche Engagement. Besonders wichtig ist aber auch Kinder und Jugendliche für unser kulturelles Erbe zu begeistern. Denn Denkmalschutz kann nur gelingen, wenn Wissen, Verantwortung und Begeisterung an die nächste Generation weitergegeben werden“, so Landrat Sven Krüger.

Der Denkmalpreis des Landkreises wurde erstmals 2005 vergeben. Seitdem sind 63 Preise an Privatpersonen, Vereine, Kirchgemeinden, Planer, Denkmalschützer, Firmen und Einzelunternehmer gegangen. Der undotierte Preis würdigt sowohl einzelne herausragende Leistungen als auch kontinuierliches Engagement. 

Heiner Stephan: Einsatz für das historische Leisnig

Mit Heiner Stephan wird eine Persönlichkeit ausgezeichnet, die sich seit Jahrzehnten für die Entwicklung und den Erhalt der historischen Stadt Leisnig engagiert. Von 1990 bis 2008 war er Bürgermeister. In dieser Zeit erkannte er früh, welches Potenzial in der weitgehend erhaltenen historischen Bausubstanz Leisnigs liegt, und setzte sich gemeinsam mit der Denkmalpflege für deren Bewahrung ein. Sichtbare Anerkennung fand diese Arbeit unter anderem durch zwei Auszeichnungen im Bundeswettbewerb Städtebaulicher Denkmalschutz.

Sein Engagement setzte Heiner Stephan auch nach seiner Zeit als Bürgermeister fort. Er gehört zu den Gründungsmitgliedern des Heimatvereins und war als Vorsitzender des Fördervereins Kloster Buch aktiv. Dort stellte er sich unter anderem den Folgen der Hochwasser von 2002 und 2013, steigenden Sanierungskosten und zahlreichen organisatorischen Herausforderungen. In der Laudatio wurde er als „Bürgermeister, Politiker, Einmischer, Akteur und ‚bunter Hund‘“ beschrieben. Er sei hervorragend vernetzt, wisse, wo Unterstützung zu finden sei, und habe „für alles Unlösbare eine Lösung“. Sein Wirken stehe für Weitsicht, Tatkraft und eine außergewöhnliche Verbundenheit mit Leisnig und dessen Geschichte.

Arbeitsgruppe „Kirchturm Berthelsdorf“: Gemeinsam gegen den Verfall

Die Kirche in Berthelsdorf prägt seit Jahrhunderten das Ortsbild. Der Kirchenstandort ist bereits seit 1346 belegt. Ihre heutige Gestalt erhielt die Kirche im 19. Jahrhundert durch den bedeutenden Kirchenbaumeister Gotthilf Ludwig Möckel. Aus dieser Zeit stammt auch der weithin sichtbare Kirchturm.

Über die Jahre waren an der Kirche immer wieder Schäden zu verzeichnen, die Sicherungs- und Sanierungsmaßnahmen erforderlich machten. Nach 1989 begann ein längerer Weg der schrittweisen Instandsetzung. Besonders der Kirchturm blieb dabei eine Herausforderung: 2012 traten erneut massive Schäden auf, Fassadenteile fielen herab, zeitweise stand sogar sein Abbruch im Raum.

Doch für die Menschen in Berthelsdorf war der Kirchturm weit mehr als ein schadhaftes Bauwerk. Er gehörte zu ihrem Ort – und sie wollten ihn erhalten. Aus der damaligen Kirchgemeinde heraus bildete sich die Arbeitsgruppe „Kirchturm Berthelsdorf“, die sich mit großem persönlichen Einsatz dieser Aufgabe stellte. Gemeinsam mit Fachleuten wurde schließlich eine langlebige, wirtschaftliche und denkmalgerechte Sanierungslösung gefunden und in hoher handwerklicher Qualität umgesetzt.

Der weithin sichtbare Kirchturm prägt bis heute Berthelsdorf. Dass er erhalten werden konnte, steht für Ausdauer, Verantwortung und die außergewöhnliche Verbundenheit der Menschen mit ihrem Ort.

Colja und Jürgen Wischnewski: Historische Industriearchitektur neu belebt

Der dritte Denkmalpreis geht an Colja und Jürgen Wischnewski von Wischnewski Architekten Berlin. Gewürdigt wird ihre planerische Arbeit bei der Entwicklung des ehemaligen Industrieareals der Baumwollspinnerei in Flöha. Die jahrhundertealte Industrieanlage stellte die Stadt aufgrund ihrer Größe und des erheblichen Sanierungsbedarfs über Jahrzehnte vor große Herausforderungen. Die Kommune hatte bereits wichtige Vorarbeiten geleistet, eine vollständige Sanierung überstieg jedoch ihre Möglichkeiten und den örtlichen Nutzungsbedarf.

Eine besondere Aufgabe war die Sanierung und Umnutzung der mehrgeschossigen, langgestreckten Gebäudezeile, die als Keimzelle des früheren Industrieensembles gilt. Auf rund 8900 Quadratmetern entstanden 77 Wohnungen unterschiedlicher Größe und sechs Gewerbeflächen. Auch Rückschläge mussten bewältigt werden, darunter der Brand im Mai 2024, bei dem der gesamte Dachstuhl zerstört wurde. Die Architekten hätten die schwierige Mittlerrolle zwischen den Interessen des Bauherrn, den fachlichen Anforderungen und den Belangen des Denkmalschutzes „mit Bravour“ gemeistert, heißt es in der Laudatio. Mit der Fertigstellung der historischen Gebäudezeile und der Gestaltung des Marktplatzes sei „etwas völlig Neues entstanden, indem man Altes erhielt“.

Foto: Steffen Krätzsch