Ein Leben – viele Begegnungen mit dem Gesundheitsamt

18.03.2026

Vom ersten Zahnarztbesuch in der Kita bis zur Beratung im höheren Alter – das Gesundheitsamt begleitet Menschen ein Leben lang. Wie vielfältig diese Kontakte sind, zeigt ein beispielhafter Lebenslauf. Anlass ist der Tag des Gesundheitsamtes.

Als Kind erlebt Anna das Gesundheitsamt zum ersten Mal in ihrer Kita. Spielerisch lernen sie und ihre Freunde, warum gründliches Zähneputzen wichtig ist. Hinter diesen Besuchen steht der Kinder- und Jugendzahnärztliche Dienst. Im vergangenen Jahr untersuchten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter 25.141 Kinder und Jugendliche. Die jährlichen Vorsorgeuntersuchungen finden in Kindergärten, Förder- und Schuleinrichtungen bis zur Klassenstufe 7 statt. Ziel ist es, die Mundgesundheit aller Kinder zu erhalten und das Bewusstsein für Zahngesundheit nachhaltig zu fördern. Vorbeugende Maßnahmen sollen helfen, Zahnschäden frühzeitig zu vermeiden. Durch die aufsuchende Betreuung werden mit der Gruppenprophylaxe nahezu alle Kinder im Alter von drei bis zwölf Jahren erreicht – bei Bedarf auch Jugendliche an weiterführenden Schulen.

Kurz vor ihrer Einschulung kommt Anna ins Gesundheitsamt – zur Schuleingangsuntersuchung. Jährlich werden rund 3.000 Kinder untersucht. Dabei zeigt sich: 40 Prozent der Erstklässler wiesen zuletzt Defizite beim Sprechen auf; sachsenweit liegt der Durchschnitt bei 37 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Auffälligkeiten um rund fünf Prozent gestiegen. Auch beim Zahlenvorwissen hatten 28 Prozent der Kinder Schwierigkeiten. Ähnlich viele zeigten Defizite in der visuellen Wahrnehmung und der Hand-Augen-Koordination. Fast ein Viertel der Erstklässler hatte Probleme mit der Sehschärfe – ein Anstieg um sechs Prozent.

Die Ursachen im Bereich Sprache und Sprechen sind vielschichtig. „Neben medizinischen Gründen spielt auch das familiäre Umfeld eine wichtige Rolle“, erklärt Dr. Cornelia Wohmann, Leiterin des Gesundheitsamtes. Längere Bildschirmzeiten und weniger gemeinsames Spielen oder Vorlesen führe dazu, dass aktive Sprachförderung oft zu kurz komme. Auch der Anteil an adipösen Kindern ist die vergangenen Jahre leicht gestiegen. Der Trend sei jedoch bundesweit zu beobachten.

Während der Schulzeit begegnet Anna dem Gesundheitsamt immer wieder – etwa bei Präventionsangeboten zu Ernährung, Bewegung oder Suchtvorbeugung.

Als junge Erwachsene nutzt sie eine vertrauliche HIV-Beratung und informiert sich zu Impfungen und gesundheitlicher Vorsorge.

Neben dem Studium arbeitet Anna in einem Restaurant. Vor Arbeitsbeginn erhält sie beim Gesundheitsamt die gesetzlich vorgeschriebene Belehrung nach dem Infektionsschutzgesetz. Die Belehrung führt sie online auf der Couch durch.

Im Erwachsenenalter rücken neue Themen in den Fokus. Nachdem ein Angehöriger an Krebs erkrankt ist, nimmt Anna die Krebsberatung in Anspruch. 2025 wurden bei mehr als 350 Ratsuchenden über 1.700 Beratungsgespräche geführt. „Wir bieten nicht nur medizinische Informationen, sondern vor allem Orientierung und psychosoziale Unterstützung in einer schwierigen Lebensphase“, heißt es aus der Beratungsstelle.

Als Sozialarbeiterin steht Anna auch beruflich in Kontakt mit dem Sozialpsychiatrischen Dienst (SpDi). Dort erhält sie Informationen zu Hilfsangeboten für ihre Klientinnen und Klienten. Im vergangenen Jahr betreute der SpDi 945 Klienten und verzeichnete über 6.400 Kontakte. Eine signifikante Zunahme der Fallzahlen seit Corona oder dem Krieg wird nicht beobachtet – die Prävalenzen psychischer Erkrankungen bleiben jedoch insgesamt hoch. In Gesundheitsdaten großer Krankenkassen rangieren sie regelmäßig unter den häufigsten Erkrankungen.

„Erfreulich ist, dass psychische Erkrankungen heute weniger tabuisiert werden. Viele Betroffene holen sich schneller Hilfe als noch vor 15 oder 20 Jahren“, erklärt Psychiatriekoordinator Matthias Gröll. „In Einzelfällen braucht es dennoch intensive Motivationsarbeit über Wochen oder Monate, bis Unterstützung angenommen wird.“

Nach einem beruflichen Wechsel in den Sozialdienst einer Justizvollzugsanstalt möchte Anna sich verbeamten lassen. Dafür ist eine amtsärztliche Untersuchung erforderlich – auch hier ist das Gesundheitsamt zuständig.

Und selbst im höheren Lebensalter bleibt das Gesundheitsamt Ansprechpartner: mit Beratungsangeboten, Prävention und Sensibilisierung für altersbedingte Veränderungen.

Heute öffnete das Gesundheitsamt Mittelsachsen in Mittweida seine Türen für Neugierige. Das Thema in diesem Jahr lautete „Vielfalt für Gesundheit“ - Gesundheitsämter geben Einblicke in ihre Arbeit.

Beratung beim kinder- und jugendzahnärztlichen Dienst