Erster mittelsächsischer Sozialbericht veröffentlicht

28.02.2017

In Mittelsachsen ist ein erster Sozialbericht erschienen, der sich mit der Lebenssituation und den Lebenslagen der Menschen im Landkreis beschäftigt. In dieser Form bildet er die Grundlage für die Bestimmung und Ableitung von Maßnahmen und Projekten im Rahmen der kommunalen Daseinsfürsorge.

Die Hochschule Mittweida hat diesen gemeinsam mit dem Landratsamt erarbeitet. „Der Bericht gibt uns die Möglichkeit, für die nächsten Generationen ‚nach vorne zu denken‘. Denn wir benötigen eine bedarfsgerechte soziale Infrastruktur, damit die Menschen sich in Mittelsachsen wohlfühlen“, sagt der zweite Beigeordnete Jörg Höllmüller. Professor Dr. Monika Häußler-Sczepan, Prorektorin für Studium und Qualitätssicherung, ergänzt: „Die Hochschule Mittweida sucht mit dem Sozialbericht verstärkt die Vernetzung, indem sie sich in das einbringt, was die Bürgerinnen und Bürger in der Stadt und Region bewegt.“

Für den Sozialbericht wurden unter anderem vielfältige Daten zur Bevölkerungsentwicklung, zu den Haushaltsstrukturen, zur Beschäftigung und zur Arbeitslosigkeit sowie zur Gesundheit und Bildung für die einzelnen Kommunen des Landkreises zusammengetragen, erfasst und ausgewertet. Sie beziehen sich auf den Beobachtungszeitraum von 2010 bis 2014. Der Aufbau dieses kleinräumigen Informationssystems für die Sozialplanung erfolgte seit Anfang 2015 in einem Forschungsprojekt der Fakultät Soziale Arbeit an der Hochschule Mittweida unter der Leitung von Professor Dr. Isolde Heintze.

Die Ergebnisse lassen erkennen, wie sich Lebenssituationen und gesellschaftliche Teilhabechancen im Landkreis entwickeln: wo es den Menschen gut geht, aber auch, wo es besondere Lebens- und Problemlagen gibt. Hierauf kann die Landkreisverwaltung im Rahmen der Integrierten Sozialplanung reagieren. Diese hat das Ziel, entsprechende soziale Infrastruktur bereitzustellen und weiterzuentwickeln.

Der Sozialbericht informiert beispielsweise über die Sprachentwicklung der Kinder, die bei den Schuleingangsuntersuchungen festgestellt wird. Dabei zeigten sich im Untersuchungszeitraum regionalspezifisch bei vielen Kindern Sprachauffälligkeiten. Daraus könnte der Bedarf abgeleitet werden, sich diesem Thema im Vorschulalter noch stärker zu widmen.

Der Abschnitt zur Demografie gibt insbesondere Auskunft darüber, wie sich die Bevölkerungsstrukturen in Zukunft entwickeln können. So gab es in der Vergangenheit in Mittelsachsen mehr Fort- als Zuzüge – als positive Erkenntnis im Sozialbericht ist aber zu verzeichnen, dass diese Tendenz zwischen 2010 und 2014 deutlich schwächer geworden ist. Daran können verschiedene Projekte bereits anknüpfen: einerseits die Nestbau-Zentrale, andererseits das Demografiekonzept der Wirtschaftsförderung.

Somit bildet der Sozialbericht die Datengrundlage für den Aufbau einer Integrierten Sozialplanung im Landkreis Mittelsachsen. Aus dem Bericht lassen sich in einem nächsten Schritt Handlungsfelder ableiten, um flächendeckend und bereichsübergreifend sozialen Problemlagen entgegenzusteuern. Auch in politischen Entscheidungsprozessen und in der Konzeption der Wohlfahrtspflege soll der Sozialbericht als Planungs- und Entscheidungsgrundlage dienen. Deshalb ist es notwendig,  die Sozialberichterstattung im Landkreis in Zukunft fortzuschreiben, um die weiteren Entwicklungen zu beobachten. „Derzeit ist die kommunale Sozialberichterstattung in Flächenlandkreisen generell noch nicht so weit ausgebaut wie in den kreisfreien Städten – Mittelsachsen kann hier als eine Art ‚Leuchtturm‘ gesehen werden“, so Professor Dr. Isolde Heintze von der Fakultät Soziale Arbeit der Hochschule Mittweida.