Frühjahrsflickung ist in vollem Gange

15.04.2019

Die Frühjahrsflickung auf den Bundes-, Staats- und Kreisstraßen in Mittelsachsen ist in vollem Gange. Die sechs Straßenmeistereien haben in den vier Wochen seit Beginn der flächendeckenden Schadstellenbeseitigung rund 182 Tonnen Asphaltmischgut verbraucht, 2018 waren es 1 570 Tonnen.

„Wir werden wahrscheinlich in diesem Jahr mehr verbrauchen“, erklärt der Leiter der Referates Straßenbetriebsdienst und Bauwerksverwaltung Dirk Schlimper. Der Winter habe gravierende Schäden auf zahlreichen Bundes- (B), Staats- (S) und Kreisstraßen (K) hinterlassen, so zum Beispiel auf der B 173 in der Ortsdurchfahrt Niederschöna sowie am Ortsausgang Oberschöna in Richtung Oederan, auf der S 241 zwischen Mühlau und Burgstädt, der S 207 in der Ortslage von Neuhausen sowie auf mehreren Abschnitten der S 36 in der Ortslage Marbach und zwischen dem Grünen Haus  an der B 169 und Hartha inklusive der Ortslage Waldheim. Schadstellen weisen zudem unter anderem die Kreisstraßen 7546 von Bockelwitz bis Kroptewitz sowie 7579 in der Ortslage Gleisberg auf. Es werden auch verstärkt Fremdfirmen zur Beseitigung hinzugezogen.

Der Landkreis ist bei den Kreisstraßen für die Verwaltung, die technische Unterhaltung und für Investitionen zuständig, denn er ist der sogenannte Straßenbaulastträger. Anders verhält es sich bei Bundes- und Staatsstraßen. Hier ist der Landkreis mit seinen sechs Straßenmeistereien in Döbeln, Hainichen, Mühlau, Rochlitz, Brand-Erbisdorf und Freiberg neben der Verkehrssicherung für die technische Unterhaltung zuständig. Diese umfasst unter anderem den Winterdienst, die Grünpflege, die Nachmarkierung von Straßen, das Aufstellen von Verkehrszeichen und die Schadstellenbeseitigung, sprich Flickung. Für Verwaltung, grundhaften Ausbau und Investitionen ist das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) zuständig. Denn der Freistaat ist der Straßenbaulastträger für die Bundes- und Staatstraßen. „Es gibt einen sogenannten Abgrenzungskatalog  des Freistaates, in dem geregelt ist, welche Arbeiten wir im Rahmen der Unterhaltung auf Bundes- und Staatsstraßen durchführen können“, erläutert Landrat Matthias Damm. Dies betont er vor dem Hintergrund, dass vermehrt Beschwerden beim Landkreis über den Zustand von Staatsstraßen eingehen. Man versuche stets die Verkehrssicherheit mit allen Mitteln sicherzustellen, mit dem Ziel dauerhafte Straßensperrungen zu vermeiden. So wurden über den Winter und bis zum Beginn der Flickung mit Heißmischgut rund 45 Tonnen Kaltmischgut zur Notsicherung eingebaut. „Aber unsere Möglichkeiten, was wir laut Katalog dürfen und was im Hinblick auf den Zustand technisch und wirtschaftlich möglich ist, sind begrenzt“, ergänzt Schlimper. Eine klassische Flickung könne Brennpunkte abmildern, aber einen schlechten Zustand einer Straße nicht wirklich verbessern. Laut Katalog darf der Landkreis maximal „partielles oder großflächiges Wiederherstellen von schadhaften Deckenbelägen von vier Zentimetern Dicke in der Regel in Fahrstreifenbreite bis maximal 200 Meter Länge sowie durch Dünnschichtbeläge oder Oberflächenbehandlungen“ realisieren. Darüber hinausgehende Arbeiten sind laut Definition Erneuerungen und obliegen dem Freistaat. „Das ist für den Landkreis natürlich keine befriedigende Situation und wir hoffen, dass es vom Landesamt Zusagen für dauerhafte Investitionen gibt“, unterstreicht Damm. Natürlich könne man nicht alle Straßen gleichzeitig bedienen, das ist bei den Kreisstraßen ganz ähnlich. Man habe aber bei den Staatsstraßen das Gefühl, dass hier nicht viel in Bewegung komme.

Eine neue Herausforderung für die Arbeiten der Straßenmeistereien stellt die neue Arbeitsstättenverordnung dar. Bundeseinheitlich gelten dort seit Dezember neue Regeln zur Erhöhung des Arbeitsschutzes. Demnach dürfen viele Arbeiten nicht mehr mit halbseitiger Sperrung beziehungsweise unter laufendem Verkehr durchgeführt werden. „Entscheidend ist, ob die Straße weniger als 7,50 Meter breit ist“, erklärt Referatsleiter Dirk Schlimper. Dies sei bei drei Viertel der Straßen im Landkreis der Fall. Im Umkehrschluss heißt dies, dass für die Grünpflege oder die Schadstellenbeseitigung seit diesem Jahr größtenteils Vollsperrungen erforderlich sind. Die Meistereien versuchen diese bestmöglich in Abstimmung mit den Verkehrsbehörden und dem Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zu planen, aber wechselnde und ungünstige  Witterung erfordern tägliches Anpassen anstehender Arbeiten. Bei größeren und mehrtägigen  Maßnahmen ohne Verkehrsfreigabe zum Nachmittag werden Umleitungen ausgeschildert. Aber wenn es um die Beseitigung von kleineren Schadstellen geht, werden Abschnitte kurzzeitig bis stundenweise voll gesperrt. „Oder wir nutzen unser Bauampeln, die maximal zehn Minuten beidseitig auf Rot stehen“, erklärt Schlimper. Das bedeutet für die Kraftfahrer Behinderungen, aber die Kosten und der Verwaltungsaufwand für entsprechende verkehrsrechtliche Anordnungen sind zu hoch. Schlimper erklärt: „Überspitzt gesagt, müssten wir jeden Tag zwischen zehn und 20 Umleitungen einrichten und nach kurzer Zeit wieder abbauen, die dann auch abgenommen werden und ein vollständiges Verwaltungsverfahren durchlaufen müssten – das dauert zu lange.“ Landrat Matthias Damm ergänzt: „Angenommen drei Wochen vorher würde man die Anordnung beantragen und dann regnet es an dem Tag und die Arbeiten können nicht durchgeführt werden, könnte es bis zur Reparatur nochmal drei Wochen dauern.“ Daher suche die Behörde pragmatische Lösungen. Unter www.landkreis-mittelsachsen.de sind aktuell geplante Instandsetzungsmaßnahmen eingestellt.

 

Bilanz Winterdienst

Noch am 28. März war der Winterdienst in drei Meistereien im Einsatz. Rund 11 600 Tonnen Streusalz wurden in dieser Saison verbraucht, das sind 2 500 Tonnen mehr im Vergleich zur Vorsaison. Durchschnittlich 120 Tage waren die Meistereien jeweils seit Oktober im Einsatz. „Eine Herausforderung stellte der Schnellfall Anfang Januar dar. Der Winterdienst war zum Teil durchgängig 24 Stunden im Einsatz. Aufgrund von Schneebruch mussten zahlreiche Straßen gesperrt werden“, erinnert sich Schlimper. Es wurde versucht, umgefallene Bäume und herab hängende Äste zu entfernen. In Waldgebieten beräumten die Waldbesitzer oder der Forst die Straßen, dies geschah nicht immer sofort und im erforderlichen Umfang. Hier müssen zum Teil die notwendigen Pflichten eingefordert werden, dazu stehen die Meistereien in Kontakt mit den Besitzern. Die Winterdiensttechnik ist aber noch nicht vollständig abgebaut, denn gerade in Gebirgslagen könnte es noch zu Einsätzen kommen. Während der Sommermonate werden die Streuer und Pflüge in der landkreiseigenen Amtswerkstatt geprüft und für die neue Saison vorbereitet.