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29.01.2026
Lucas ist das 20. Kind, dem Jana und Heiko Moßig ein Zuhause auf Zeit geben. Am 18. Dezember ist das sechs Monate alte Baby bei ihnen eingezogen. Wie lange er bleiben wird, wissen sie nicht. Die Moßigs sind sogenannte Bereitschaftspflegeeltern. Sie nehmen Kinder auf, für die nach einer akuten Notsituation schnell ein sicherer Ort gefunden werden muss – und betreuen sie so lange, bis ihre weitere Perspektive geklärt ist.
Obwohl die Zahl der Geburten wieder sinkt, steigt die Zahl der Meldungen von Kindeswohlgefährdungen in Mittelsachsen seit Jahren. Woran das liegt, lässt sich nur vermuten. „Es kann sein, dass die Menschen sensibilisierter sind und genauer hinschauen“, sagt Andreas Köhler, Leiter des Referats Besondere Soziale Dienste im Landratsamt. Von 300 gemeldeten Kindeswohlgefährdungen im vergangenen Jahr führten 107 zu einer Inobhutnahme.
Fest steht: Nicht nur die Zahl der Kinder, die in Bereitschaftspflegefamilien untergebracht werden, nimmt zu – auch die Dauer ihres Aufenthalts wächst. Lebten vor zehn Jahren 28 Kinder insgesamt 2.263 Tage in Bereitschaftspflegefamilien, sind es aktuell 53 Kinder mit zusammengerechnet rund 6.800 Betreuungstagen im Jahr 2025. „Unsere Familien, die Bereitschaftspflege anbieten, sind immer ausgelastet“, so Köhler. Wie wichtig diese Aufgabe ist, die die Frauen und Männer übernehmen, betont auch Heidi Richter, Leiterin der Abteilung Jugend und Familie: „Nur durch sie ist es möglich, dass unser staatliches Auffangsystem funktioniert. Sie nehmen Kinder in ihren schwersten Stunden auf und geben Halt. Das ist nicht einfach nur eine Dienstleistung, sondern ein Akt der Nächstenliebe.“
Emotional sei diese Aufgabe nicht immer leicht, gibt Familie Moßig zu. Vor zwölf Jahren, als die eigenen Kinder bereits erwachsen waren, nahmen sie zum ersten Mal ein Pflegekind auf. Der Junge lebt heute noch bei ihnen. Seit fünf Jahren stehen sie zusätzlich als Bereitschaftspflegeeltern zur Verfügung. Um auch Säuglinge aufnehmen zu können, hat Jana Moßig nach 35 Jahren ihre Arbeit als Chemielaborantin aufgegeben. Bereut hat sie diese Entscheidung nie. Wie lange die beiden, heute 55 und 61 Jahre alt, noch Kinder aufnehmen werden, wissen sie nicht. „Wir haben uns kein Ende gesetzt und machen das, so lange es geht“, sagt Jana Moßig. Es sei erstaunlich, wie schnell die Kinder eine Bindung aufbauen und alles aus dem Familienleben „aufsaugen“.
Das Durchschnittsalter der Bereitschaftspflegeeltern liegt bei etwa 55 Jahren, erklärt Andreas Köhler. „Manche stehen uns sogar bis in ihre 70er Jahre zur Verfügung.“ Voraussetzungen für die Aufnahme eines Pflegekindes sind unter anderem gesundheitliche Eignung, ein angemessenes Alter, gesicherte finanzielle Verhältnisse, ausreichend Wohnraum sowie genügend Zeit für die Betreuung und Erziehung des Kindes. Zudem dürfen keine einschlägigen Vorstrafen vorliegen. Bei Bereitschaftspflegen sollte eine Person keiner geregelten Arbeit nachgehen. „Es ist nicht ungewöhnlich, dass nachts um 2 Uhr das Telefon klingelt und die Rufbereitschaft des Jugendamtes die Aufnahme eines Säuglings anfragt“, erklärt Andreas Köhler.
Bereitschaftspflege bedeutet die Betreuung von Kindern in akuten Notsituationen nach einer Inobhutnahme durch das Jugendamt. Gründe für die Inobhutnahmen sind Kindeswohlgefährdungen wie Misshandlung oder grobe Vernachlässigung, die einen sofortigen Schutz erforderlich machen. Gemeinsam mit der Familie und dem Jugendamt wird danach eine Perspektive für die Kinder und ihre Familien erarbeitet. Etwa ein Drittel der Kinder wird im Anschluss an die Bereitschaftspflege in einer Pflegefamilie untergebracht. Lebt ein Kind in einer Pflegefamilie, stellt das Jugendamt seinen Lebensunterhalt sicher. Die Pflegeeltern erhalten zudem eine monatliche Anerkennung für ihren erzieherischen Aufwand.
Der Aufenthalt in einer Bereitschaftspflegefamilie dauert wenige Wochen bis zu mehreren Monaten. Bei Familie Moßig ist ein Kind auch schon einmal anderthalb Jahre geblieben. Von den meisten weiß das Paar, was aus ihnen geworden ist. Und vergessen haben sie keines. „Von jedem Kind bleibt etwas“, sagt Heiko Moßig.
Das Jugendamt sucht fortlaufend Familien, Paare oder Einzelpersonen, die sich vorstellen können, ein Pflegekind aufzunehmen – im Bereich der Bereitschafts- und Dauerpflege. Die nächsten Infoabende:
5. Februar 2026, 17.00 Uhr,
Landratsamt, Am Landratsamt 3, 09648 Mittweida, Zimmer 503
21. April 2026, 17.00 Uhr,
Landratsamt, Bahnhofstraße 22, 04720 Döbeln, Zimmer 304
11. Juni 2026, 17.00 Uhr,
Landratsamt, Frauensteiner Straße 43, 09599 Freiberg, Zimmer 003
Bei Fragen ist der Pflegekinderdienst unter Tel. 03731 799-6497 oder -6290 oder per Mail pflegekinderdienst@landkreis-mittelsachsen.de erreichbar.