Jugendhilfeausschuss: TANDEM Sachsen gestartet

27.02.2018

Am 26. Februar 2018 fand die 14. Sitzung des Jugendhilfeausschusses des Kreistages unter anderem mit nachfolgenden Themen statt.

Angebotsentwicklung für stationäre erzieherische Hilfen

Im Bereich der stationären erzieherischen Hilfen nach § 34 SGB VIII gibt es in Mittelsachsen ausreichend Plätze. Das ergab eine entsprechende Untersuchung der Abteilung Jugend und Familie im Landratsamt gemeinsam mit den Trägern der freien Jugendhilfe. Deren Ergebnisse waren Gegenstand der Sitzung des Jugendhilfeausschusses. In 35 Angeboten können bis zu 256 Kinder und Jugendliche betreut werden. Die Auslastung der Einrichtungen ist sehr hoch, obwohl die Zahl der vorgehaltenen Plätze in den vergangenen beiden Jahren stark angestiegen ist. 118 Plätze stehen beispielsweise für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, die dem Landkreis zugewiesen wurden, zur Verfügung. In den vergangenen Monaten kamen immer weniger Jugendliche auf diesem Weg in den Landkreis, so dass eine planerische Prüfung der Kapazitäten erforderlich wurde.

„Wir haben im Landkreis ein vielfältiges Angebot an stationären Einrichtungen, dass von zahlreichen Trägern vorgehalten wird.“, erklärt die zuständige Planerin im Landratsamt, Sylvia Kempe. Das Ziel der Verwaltung sei, die Zahl der zu betreuenden Kinder- und Jugendlichen aus dem Landkreis in den hiesigen Einrichtungen zu erhöhen. Diese Quote liegt für einheimische Kinder und Jugendliche zurzeit bei rund 50 Prozent, die Hälfte der Heimunterbringung erfolgt außerhalb des Landkreises. Um dieses Ziel zu erreichen, soll der fachliche Austausch mit den Trägern weiterentwickelt, regelmäßige Belegungsinformationen ausgetauscht und in der Abteilung Jugend und Familie ein Fachcontrolling aufgebaut werden.

Informationen der Verwaltung

Für die Sozialregion Döbeln wird ein Handlungskonzept mit der Überschrift „Soziale Teilhabe stärken“ erarbeitet. Darüber informierte der zweite Beigeordnete Jörg Höllmüller im Jugendhilfeausschuss. Dazu findet die erste Sozialregionalkonferenz am 12. März statt. „Die Region Döbeln wurde aufgrund der gewachsenen örtlichen Strukturen und der Verbindung zwischen städtischen und ländlichen Raum ausgewählt. Mehrere Behörden, Institutionen und ehrenamtlich engagierte Bürger arbeiten in diesem Bereich“, so Höllmüller. Deren Wissen, Erfahrung und Idee wird bei der Konzepterstellung einfließen. Akteure von Vereinen, Pflegediensten, Wohnungsgesellschaften, Einrichtungen sowie aus der Politik und Verwaltung sind am 12. März in das Volkshaus in Döbeln schriftlich eingeladen worden. Die Hochschule Mittweida begleitet das Konzept wissenschaftlich.

Noch bis zum 31. März können sich Interessierte für das Amt des Jugendschöffen bewerben. Neu ist, dass sich auch bewerben darf, wer aktuell bereits in der zweiten Amtsperiode tätig ist. Im Rahmen dieses Ehrenamtes nehmen die Bürgerinnen und Bürger an der Rechtssprechung teil und wirken in der Strafgerichtsbarkeit bei Amts- und Landgerichten in Verhandlungen gegen Heranwachsende und Jugendliche mit. Der Schöffe soll grundsätzlich zu nicht mehr als zwölf Sitzungstagen im Jahr herangezogen werden. Neben der Erstattung von Fahrtkosten und sonstigen notwendigen Auslagen erhält der Schöffe eine Entschädigung für Zeitversäumnis und Verdienstausfall. Interessenten für das Amt des Jugendschöffen füllen bitte das Bewerbungs- und Vorschlagsformular auf der Homepage des Landkreises unter www.landkreis-mittelsachsen.de aus.

Zum Stand 31. Januar 2018 erhielten 3 963 Kinder und Jugendliche Unterhaltsvorschussleistungen im Landkreis. Dies ist nach Angaben von der zuständigen Abteilungsleiterin Heidi Richter eine deutliche Steigerung. Zum Vergleich: Im Jahr 2016 gab es insgesamt 2 700 Leistungsempfänger. Die Aufwendungen für Unterhaltsvorschussleistungen im Jahr 2017 belaufen sich auf rund 6,5 Millionen Euro, 2016 lag diese Zahl bei 4,2 Millionen Euro.

TANDEM Sachsen im Landkreis Mittelsachsen gestartet – neue Chancen für Familien

Im Februar 2018 startete ein neuartiges Förderprogramm für Familien im Landkreis Mittelsachsen. In mittelsächsischen Städten und Gemeinden leben langzeitarbeitslose Eltern, die trotz guter Arbeitsmarktlage und sinkender Arbeitslosigkeit noch keinen Arbeitsplatz finden konnten. Das Modellprogramm TANDEM des Freistaates Sachsen richtet sich an Elternpaare und Alleinerziehende, die mit ihren Kindern in Bedarfsgemeinschaften leben und damit auf Leistungen des Jobcenters angewiesen sind.

Um was geht es konkret? 
Im Unterschied zu anderen Fördermaßnahmen steht bei TANDEM Sachsen die gesamte Familie im Vordergrund der Förderung und Unterstützung. Jedes Familienmitglied wird nach seinen individuellen Bedürfnissen gefördert, umso den Anspruch auf gesellschaftliche und berufliche Teilhabe im Sinne von Integration in Ausbildung, Beschäftigung und Bildung zu realisieren. Weitere Intentionen des Förderprogramms sind die Alltagsstrukturen der teilnehmenden Familie zu stabilisieren, Bildungschancen zu erhöhen sowie verfestigte Langzeitarbeitslosigkeit, Hilfebedürftigkeit und Stigmatisierung zu durchbrechen und insbesondere die Erwerbschancen der Eltern auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu erhöhen.  

Wie erfolgt die Umsetzung? 
Zur Umsetzung in Mittelsachsen wurde als Projektträger das CJD Sachsen – eine Einrichtung des Christlichen Jugenddorfwerk Deutschlands e.V. – beauftragt. Es gibt landkreisweit zwei Projektstandorte, jeweils einer in Freiberg (Domgasse 2a) und einer in Döbeln ab 1. März (Obermarkt 14). Beratungsteams des beauftragten Trägers – in der Regel Sozialpädagogen und Psychologen – begleiten und unterstützen die Eltern und ihre Kinder gleichermaßen. Durch Kooperation mit Fallmanagern des Jobcenters und Beratern des örtlichen Jugendamtes erfolgt über die Regelangebote hinaus ganzheitliche Betreuung.

Was können teilnehmende Familien erwarten? 
Das Modellprojekt beinhaltet umfassende Lebenskompetenzförderung in jeglicher Hinsicht. Ziel ist es, durch gezielte Aktivierung, Beschäftigungs-und Arbeitsmarktförderung mindestens ein Elternteil in ein nachhaltiges Beschäftigungsverhältnis zu vermitteln. Gleichzeitig erhalten Kinder und Jugendliche der teilnehmenden Familien bestmögliche Förderung im Hinblick auf die Entwicklung persönlicher und sozialer Kompetenzen. Das können Angebote zur individuellen Lernförderung, Prävention und Gesundheitsförderung oder auch Angebote in kreativen, sportlichen oder künstlerischen Bereichen sein. Je nach Alter der Kinder oder Jugendlichen wird auch die Lebensphase des Überganges von Schule in Ausbildung, Studium und Beruf unterstützt und gefördert. Familien, die an einer Teilnahme an TANDEM interessiert sind, können sich an ihre zuständige Integrationsfachkraft im Jobcenter Mittelsachsen wenden.

Hintergrundinformation: 
TANDEM Sachsen wird aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) und aus Landesmitteln des Freistaates Sachsen in einem Zeitraum von drei Jahren gefördert. Grundlage der Zusammenarbeit vor Ort bildet eine Kooperationsvereinbarung zwischen Projektträger, Jobcenter und Jugendamt.