Landkreis bereitet sich auf Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest vor

18.02.2019

In den vergangenen Monaten hat sich die Tierseuche Afrikanische Schweinepest (ASP), die Wild- und Hausschweine gleichermaßen betrifft, in Europa weiter ausgebreitet. So traten bereits zahlreiche Fälle unter anderem in Polen, Tschechien, Rumänien und auch Belgien auf, in Deutschland bisher noch keine. „Für Menschen ist die Krankheit ungefährlich“, betont Dr. Anke Kunze vom Lebensmittel- und Veterinäramt (LÜVA) Mittelsachsen. Aber für die hiesigen Schweinehalter und fleischverarbeitenden Betriebe kann ein solcher Ausbruch enorme Auswirkungen mit wirtschaftlichen Konsequenzen haben.

Denn dann kann das Verbringen von lebenden Schweinen, deren Samen, Eizellen und Embryonen sowie von tierischen Nebenprodukten vom Schwein ebenso wie das Versenden bestimmten Fleisches sowie bestimmter Fleischzubereitungen und -erzeugnisse verboten werden. „Wir gehören in Sachsen zu den Landkreisen mit den meisten Tierbeständen, so gibt es 700 Schweinehalter mit rund 130 000 Tieren“, erklärt Dr. Kunze. Daher bereitet sich der Landkreis auf einen möglichen Ausbruch vor. Unter anderem sind die Mitarbeiter des LÜVA regelmäßig bei Jägern zu Gast, um diese zu sensibilisieren. Weiterhin wurden beispielsweise Kühlanlagen sowie spezielle Wannen zur Bergung der toten Wildschweine im Wald sowie stabile und flüssigkeitsdichte Kadaversäcke gekauft sowie Sperrschilder und diverse Schutzkleidung angeschafft. Außerdem werden in Kürze die Servicezeiten des Lebensmittelüberwachungs- und Veterinäramtes erweitert, damit Proben nicht nur in Mittweida sondern auch in Döbeln und Freiberg täglich abgegeben werden können. „Die Jäger sind angehalten, Organ- und Blutproben von Wildschweinen zu nehmen, damit wir bei einem möglichen Ausbruch schnell reagieren können“, so Dr. Kunze weiter. In diesem Zusammenhang bittet sie auch die Bevölkerung, tote Tiere dem zuständigen Jäger oder der Behörde zu melden. 

Das Virus ist sehr langlebig und hält sich bei Zimmertemperatur beispielsweise gut vier Monate, im blutverseuchten Erdboden 205 Tage, im gekühlten Schlachtkörper sieben Monate, in Schinken bis zu 399 Tage. „Bei der Verarbeitung von Fleisch und Fleischprodukten wird es erst bei einer erzielten Kerntemperatur von 69 Grad inaktiviert“, so die Veterinärmedizinerin.  Vor diesem Hintergrund appelliert sie, Fleisch- und Wurstreste, wenn überhaupt, nur in geschlossene Behältnisse wegzuwerfen. Denn das Virus der ASP kann außer über Blut und Sperma auch über die Aufnahme von Speiseabfällen oder Schweinefleischerzeugnissen sowie durch schweineblutkontaminierte Gegenstände von Tier zu Tier übertragen werden. Bei einer Infektion tritt meist der Tod der Tiere nach zwei bis zehn Tagen ein. Symptome einer Infektion sind beispielsweise Fieber, Blutungen und Appetitverlust. „Auf den ersten Blick unterscheiden sie sich nicht von denen der Klassischen Schweinepest. Deshalb sind die Probenentnahmen im Wild- und Hausschweinbestand so wichtig. Denn nur mithilfe der Labordiagnostik lässt sich die ASP zweifelsfrei feststellen beziehungsweise ausschließen“, erläutert Dr. Anke Kunze.

Bei einem möglichen Ausbruch werden mehrere Sicherheitszonen gebildet, die einen Umkreis von mehreren Kilometern haben können. Im engsten Gebiet gelten in diesem Bereich strenge Vorgaben. Schweine dürfen nur noch unter sehr hohen Auflagen in einen noch aus einem Betrieb im gefährdeten Gebiet verbracht werden. Außerdem müssen verendete Schweine unverzüglich angezeigt werden. Dann werden noch Pufferzonen gebildet, in denen abgeschwächte Regeln gelten. Außerdem werden Sammelpunkte eingerichtet, zu denen die toten Wildschweine verbracht werden sollen, von dort gehen sie an die Tierkörperbeseitigungsanstalt. An den Sammelpunkten, die einen Wasser- und einen Stromanschluss benötigen, stehen Kühlcontainer. „Wir sind derzeit bei der finalen Abstimmung dieser Standorte“, so Dr. Kunze.

Im Landratsamt bildet sich beim Ausbruch ein Krisenstab, um die Maßnahmen zu koordinieren. Es fan-den bereits erste Übungen statt. Im Falle eines Ausbruchs der ASP erlässt das Landestierseuchenbe-kämpfungszentrum (LTBZ) des Freistaates Sachsen eine sogenannte Allgemeinverfügung, in der eine eventuelle Kernzone, ein gefährdetes Gebiet sowie eine Pufferzone festgelegt sind. Für diese Zonen gelten bestimmte Restriktionen/Verbote, die sowohl Schweinehalter (Umgang mit Tieren, deren Aus- und Einfuhr, Kontrollen und mehr) als auch Jäger (Auswirkungen auf die Jagd, Probenentnahme, Kadaversammelstellen und mehr) sowie Bürgerinnen und Bürger (Betretungsverbote für Waldgebiete oder ähnliches) betreffen können.

„Jeder einzelne kann aktiv etwas gegen die Einschleppung der Seuche tun, denn „bereits ein unachtsam weggeworfenes Wurstbrötchen kann ausreichen, um die Krankheit zu verbreiten“, verdeutlicht Landrat Matthias Damm. Dr. Anke Kunze ergänzt: „Da weder Impfstoffe noch Therapiemöglichkeiten für infizierte Tiere existieren, müsse deshalb auf Biosicherheit, hygienische Maßnahmen sowie die Regulierung der Wildschweinpopulation geachtet werden, so die Veterinärmedizinerin abschließend.