Landkreis stellt sich strategisch auf die erhöhte Zuweisungszahl ein

07.09.2015

Ende vergangener Woche erhielt der Landkreis die offizielle Zuweisungszahl von der Landesdirektion. Demnach muss Mittelsachsen im Gesamtjahr 2015 3 162 Asylsuchende unterbringen. Bisher gingen die Verantwortlichen von 1 800 Personen aus.

Bis Ende Juli wurden rund 733 Flüchtlinge bereits neu in Mittelsachsen untergebracht, im gesamten Jahr 2014 waren es 826. Landrat Matthias Damm: „Die bisherige Unterbringung war nur dank der Betreiber, ansässigen Kommunalverwaltungen, Polizei und zahlreichen engagierten Vereinen, Arbeitsgruppen und Bürgern in dieser Form möglich. Diesen gilt meine große Anerkennung.“

Um den neuen Zuweisungszahlen Rechnung zu tragen, stellt sich der Landkreis strategisch neu auf. So sollen bis Ende 2016 Unterbringungsmöglichkeiten für über 6 000 Personen im gesamten Kreisgebiet vorhanden sein, in Gemeinschaftsunterkünften und dezentral in Wohnungen. Wichtig bei der Herangehensweise sind immer die anwesenden Asylsuchenden, nicht allein die Zuweisungszahl. Das heißt, es gibt auch Abgänge durch freiwillige Ausreise, Erhalt des Aufenthaltstitels oder Abschiebung, allein in diesem Jahr insgesamt 307. Heute Morgen wurde die Strategie den Bürgermeistern des Landkreises vorgestellt. „Es ist eine Aufgabe, die wir nur mit unseren Städten und Gemeinden und der Bevölkerung lösen können. Die Bürgermeister haben uns deutlich ihre Unterstützung zugesagt“, erklärt Landrat Matthias Damm. Es gibt noch Fragen abschließend zu klären, aber dazu sei man mit dem Städte- und Gemeindetag eng in Kontakt. Bereits im Vorfeld haben mehrere Gemeinden angeboten Flüchtlinge dezentral unterzubringen.

Dezentrale Wohnungen:

Vorgesehen ist, dass in jeder Stadt und Gemeinde in Abhängigkeit ihrer Einwohnerzahl Flüchtlinge dezentral in Wohnungen untergebracht werden. Rund 3 700 Plätze sollen so geschaffen werden. Zunächst leben die Asylsuchenden in der Regel eine gewisse Zeit in einer Gemeinschaftsunterkunft und ziehen dann in eine Wohnung. Dort gibt es weiterhin Ansprechpartner und Betreuer für die Flüchtlinge, außerdem können sie auf bestehende Kontakte aufbauen. „Man muss es sich so vorstellen: Es gibt in den Städten mit zentraler Funktion eine Gemeinschaftsunterkunft, von dort aus werden die Asylsuchenden betreut und Anwohner finden dort auch immer Ansprechpartner bei Fragen und Problemen“, unterstreicht der Geschäftsbereichsleiter Jörg Höllmüller. Die Gemeinden melden die Wohnungen, die bei Bedarf von der Gesellschaft für Strukturentwicklung und Qualifizierung Freiberg mbH (GSQ) eingerichtet werden. Die jeweilige genaue Zahl des Kapazitätsbedarfs für Asylsuchende pro Kommune wird den Städten und Gemeinden noch schriftlich mitgeteilt – sind bereits Gemeinschaftsunterkünfte vorhanden, wird dies entsprechend berücksichtigt.

Gemeinschaftsunterkünfte:

Bis Ende 2016 sollen für einen Grundbedarf von 3 000 Plätzen Gemeinschaftsunterkünfte in allen Kommunen mit zentralörtlicher Funktion als dauerhafte Unterbringungsmöglichkeiten entstehen. Die Gemeinden werden um Benennung von Objekten oder Bauland für Fertigmodullösungen oder einen Festbau gebeten. Bisher gibt es Gemeinschaftsunterkünfte in Brand-Erbisdorf, Döbeln, Flöha, Frankenberg, Freiberg, Hainichen, Rochlitz, Roßwein, Striegistal und Waldheim mit einer Gesamtkapazität von rund 1 850 Plätzen. Weitere Einrichtungen sind schon in der finalen Planung, werden aber künftig erst nach Vertragsunterzeichnung veröffentlicht.

Außerdem sollen für den Notfall zwei beziehungsweise drei Standorte feststehen, die für eine kurzzeitige Unterbringungen genutzt werden. Dies kann beispielsweise bei einer erhöhten Zuweisung der Fall sein, wenn alle anderen Objekte belegt sind.

 

Bestand Januar 2014Bestand Dezember 2014AbgängeZugänge
6811 210297826
Bestand Januar 2015Bestand Dezember 2015AbgängeZugänge
1 1991 625307733
Gemeinschaftunsterkünfte in Städten

Kapazität*

Freiberg750
Döbeln300
Striegistal250
Brand-Erbisdorf100
Flöha50
Rochlitz50
Frankenberg50
Roßwein100
Waldheim50
Hainichen150

*auf 50er Einheiten gerundet

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