Neue Struktur bei den Vereinigten Gesundheitseinrichtungen Mittelsachsen

20.10.2016

Der Kreistag hat sich in seiner gestrigen Sitzung klar für eine neue Unternehmensstruktur der Vereinigten Gesundheitseinrichtungen Mittelsachsen GmbH (VGE) ausgesprochen.

Vorgesehen ist, die Landkreis Mittweida Krankenhaus gGmbH (LMK) als Tochterunternehmen zu integrieren, ähnlich wie das Freiberger Krankenhaus. „Es ist eine tragfähige und zukunftsorientiere Lösung, um das Krankenhaus Mittweida dauerhaft zu sichern“, erklärt Landrat Matthias Damm. Wichtiger Partner ist die Sana Kliniken AG, die zu 26 Prozent an der VGE beteiligt ist. Diesen Anteil wird das Unternehmen auch an der größeren VGE halten. Sana bringt entsprechend Kapital ein und der Landkreis die LMK mit 94 Prozent Beteiligung. Die restlichen sechs Prozent verbleiben aus grunderwerbsteuerlichen Gründen beim Landkreis. Im Vorfeld wurde ein unabhängiges Ertragswertgutachten erstellt. Dies beziffert den Wert der LMK auf 4,5 Millionen Euro. In den kommenden Wochen sollen die neuen Gesellschaftsverträge erarbeitet und in den Kreistag am 14. Dezember eingebracht werden. „Dies sind dann die letzten Beschlüsse im Kreistag, viele weitere treffen die Aufsichtsgremien der Gesellschaften. Denn jetzt beginnt der eigentliche Sanierungsprozess“, erklärt Landrat Matthias Damm. Ein großes Know-how hat dabei die Sana Kliniken AG, mit der die Gespräche zur Vorbereitung der Strukturentscheidung geführt wurden. Der Vorstand der Sana Kliniken AG, Dr. Jens Schick, betonte bereits in der vergangenen Woche: „Die bisherige gute Zusammenarbeit im Rahmen der VGE stimmt uns optimistisch, dass wir das gemeinsame Ziel der langfristigen Zukunftssicherung der LMK im gemeinsamen medizinischen Versorgungsnetzwerk Mittelsachsen erreichen können. Wir sind bereit dafür.“

Bereits im Vorfeld der vergangenen Sitzung des Kreistages, die den Rahmen für die jetzige Entscheidung gab, stellten die Sana Kliniken ihr medizinisches Konzept vor. Dabei sprach sich das Unternehmen klar für den Aufbau eines Ambulanten Versorgungszentrums Rochlitz aus, außerdem sollen neue medizinische Leistungen in Mittweida angeboten werden. „Wir befinden uns in einem Prozess mit zahlreichen einzelnen Komponenten. Der kommende Weg ist eine Herausforderung und ich bin sicher, dass alle Partner hier weiterhin eng zusammenarbeiten, um die medizinische Versorgung in dem Bereich zu sichern“, so Damm.

Servicegesellschaft

Der Kreistag beschloss in seiner Sitzung am 19. Oktober die Übernahme von Geschäftsanteilen der Krankenhaus Mittweida Servicegesellschaft durch die LMK. Bisher hatte noch ein Dienstleister entsprechende Anteile an der Tochtergesellschaft, die beispielsweise für die gesamte Reinigung, die Essensversorgung sowie Hauswirtschafts- und Stationshilfsdienste Verantwortung trägt. „Die Entscheidung ist im Gesamtkomplex zu sehen und auch ein Baustein für die Sanierung der LMK“, so Landrat Damm.

Notarztversorgung gesichert

Der Notarztstandort Mittweida ist für die kommenden Jahre gesichert. Erfolgreich beteiligten sich die Landkreis Mittweida Krankenhaus gGmbH (LMK) und die Firma Rescue Mittelsachsen an einer entsprechenden Ausschreibung. Beide Partner teilen sich ab November die Dienste: Montag bis Freitag von jeweils 07:00 Uhr bis 19:00 Uhr werden Klinikärzte seitens der LMK eingeteilt. Die Organisation der Nacht-, Wochenend- und Feiertagsdienste sowie die komplette Abrechnung erfolgt durch die Rescue Mittelsachsen, eine erst wenige Monate alte Firma mit dem Geschäftsführer Ronny Illig. Er ist seit knapp 15 Jahren Rettungsassistent in der Rettungswache Mittweida und wird grundsätzlich mit niedergelassenen, ortsansässigen Notärzten zusammenarbeiten. In der Vergangenheit gab es vor allem tagsüber Probleme bei der Besetzung von Diensten, die durch die Arbeitsgemeinschaft Notärztliche Versorgung (ARGE NÄV) organisiert wurde, ein Zusammenschluss der gesetzlichen Krankenkassen und ihrer Verbände. „Auch wenn damit neue organisatorische Herausforderungen auf uns zukommen, freuen wir uns, dass wir den Zuschlag erhalten haben und den Landkreis bei der Erfüllung des Versorgungsauftrages unterstützen können“, sagt Jens Irmer, Geschäftsführer der LMK.

Niedergelassene Mediziner unterstützen Illig, der mit dem Unternehmen diese mit der Übernahme von organisatorischen Aufgaben, wie der Abrechnung, entlastet. „Ich bin mir bewusst, dass dies eine enorme Herausforderung ist, doch mir liegt es am Herzen, dass wir in Mittweida wieder ein funktionierendes Notarztsystem etablieren können“, so Ronny Illig, der die Rescue Mittelsachsen im Nebengewerbe führt.

Hintergrund:

Da die Dienste in Mittweida nicht mehr vollständig besetzt waren, beauftragte die ARGE NÄV einen externen Dienstleister. Dieser setzt unterschiedliche Ärzte ein, aber keinen aus der Region. Das wiederum ist für den Katastrophenfall oder bei größeren Ereignissen wichtig, um auf leitende Notärzte zurückzugreifen, die eigentlich immer aus der Region stammen. Voraussetzung dafür ist aber, dass die Mediziner regelmäßig Einsätze fahren. „Ich freue mich sehr, mit der LMK und Herrn Illig zuverlässige Partner in der rettungsdienstlichen Versorgung der Bürger des Landkreises Mittelsachsen gefunden zu haben. Vor allem, dass wieder ortsansässige Notärzte eingebunden werden und wir dauerhaft bei Großschadenslagen auf sie zählen können“, sagte Jana Lützner, Referatsleiterin Brandschutz, Rettungsdienst, Katastrophenschutz. „Ein großes Dankeschön“, wurde von Ronny Illig an die Notärzte ausgesprochen, denn sie standen vom Anfang der Idee bis jetzt hinter dem Projekt. „Sie freuen sich auf die Dienste, denn dies tun sie schon seit Jahren aus Überzeugung und mit Leidenschaft. Nur die LMK, Rescue Mittelsachsen und die Notärzte ergeben eine Einheit, mit der das System funktioniert“, erklärt Jana Lützner. Im Landkreis gibt es Notarztstandorte in Freiberg, Flöha, Mittweida, Burgstädt/Hartmannsdorf, Döbeln und Leisnig.

Foto: LMK gGmbH