Projekttage „Zeit – Zeugen – Begegnung 2016“

28.09.2016

Im Rahmen der Freiberger Schalomtage vom 27. September bis zum 3. Oktober 2016 finden die Projekttage „Zeit – Zeugen – Begegnung 2016“ statt - initiiert von der Geschichtswerkstatt Freiberg in Zusammenarbeit mit dem Landkreis Mittelsachsen, der Stadt Freiberg, dem Mittelsächsischen Theater Freiberg und dem Jugend-Theater Mittelsachsen.

In ihrem Buch „Schicksalskinder – Die KZ-Babys von Mauthausen“ (Weltbild-Verlag) hat die britische Bestsellerautorin Wendy Holden die Geschichte dreier Kinder aufgeschrieben, die 1945 unter unvorstellbaren Bedingungen geboren wurden. Hana Berger Moran kam am 12. April 1945 im Freiberger Außenlager des KZ Flossenbürg zur Welt – kurz bevor die rund 1 000 jüdischenZwangsarbeiterinnen der „Freia GmbH“ in das KZ Mauthausen transportiert wurden. Mark Olsky wurde am 20. April während des Zugtransports geboren und Eva Clarke am 29. April, dem Tag der Ankunft im KZ Mauthausen.„Keines der Kinder wog bei seiner Geburt mehr als drei Pfund“, erzählt Wendy Holden in ihrem 2015 erschienenen Buch (englischer Originaltitel: „Born Survivors“). Am 5. Mai 1945 wurden die Gefangenen von US-Soldaten befreit.

In der Zeit vom 29. September bis 3. Oktober 2016 kommen zwei der Freiberger „KZ-Babys“ zurück an den Ort des Geschehens – und betreten das erste Mal gemeinsam wieder deutschen Boden. Begleitet werden Hana Berger Moran und Mark Olsky, die heute in den USA leben, von der Erfolgsautorin aus England. „Die Einladung der Ehrengäste zu den diesjährigen Schalom-Tagen der Stadt Freiberg geht auf die Suche Wendy Holdens nach der wahren Geschichte jener drei Babysz urück“, erzählt Michael Düsing, der selbst seit Jahren die Geschichte der Zwangsarbeiterinnen in Freiberg erforscht, zuletzt in seinem ebenfalls 2015 erschienenen Buch „Zwangsarbeit für den Endsieg – Wie jüdische Mädchen in Freiberg gezwungen wurden, an Hitlers ‚Wunderwaffen‘ mitzubauen“. Düsing und Cornelia Hünert, damalige Büroleiterin des Freiberger Oberbürgermeisters, unterstützten Wendy Holden bei ihren Recherchen im Juli 2014 vor Ort. Anschließend lud die von Michael Düsing geleitete Geschichtswerkstatt, deren Träger inzwischen das Regionale Bildungszentrum der Eckert-Schulen in Freiberg ist, die Schriftstellerin und die „Babys“ ein. „Die Begegnung in diesem Herbst mit Hana Berger Moran, Mark Olsky und Wendy Holden wird möglich, weil sich viele Freiberger dafür engagierten“, betont Michael Düsing. Alle drei treffen heute auf eine Stadt, die sich ihrer geschichtlichen Verantwortung und der unbedingten Achtung der Würde jedes Menschen unabhängig von Herkunft, Rasse und Religion bewusst ist.

Auf den Besuch bereiten sich auch Schüler einer 11. Klasse des Geschwister-Scholl-Gymnasiums an drei Projekttagen - vom 27. bis 29. September 2016 - besonders intensiv vor. Mitarbeiter der Freiberger Geschichtswerkstatt vermitteln ihnen Kenntnisse über Judenverfolgungen in Freiberg zwischen 1933 und 1945, darunter über das Schicksal jüdischer Schüler am damaligen Gymnasium Albertinum, und bereiten mit ihnen gemeinsam die Begegnung mit den drei Gästen aus den USA und Großbritannien vor, die sie am Freitag, dem 30. September im Ratssaal des Freiberger Rathauses haben werden. Am gleichen Tag wird der Landrat des Landkreises Mittelsachsen, Matthias Damm, die Gäste an der Gedenktafel für die jüdischen Zwangsarbeiterinnen im Eingangsbereich des heutigen Landratsamtes in Freiberg – 1944/45 Verwaltungsgebäude der „Freia GmbH“, eines getarnten Betriebsteils der Arado Flugzeugwerke – begrüßen.

Nach dem Treff mit den Schülern des Gymnasiums lernen die Gäste bei einer Stadtführung das heutige Freiberg kennen, bevor sie am Abend während einer Begegnung mit dem Oberbürgermeister Freibergs, Sven Krüger, mit einer Eintragung in das „Silberne Buch“ der Stadt Freiberg geehrt werden.

„Diese Eintragung“, so OB Sven Krüger, ehrt drei Menschen, die auf so besondere Weise mit unserer Stadt verbunden sind.“

Während die Gäste am Sonnabend, 1. Oktober, die Landeshauptstadt Dresden kennen lernen werden, besteht für Freibergs Öffentlichkeit die Möglichkeit, ab 16:00 im „Kinopolis“ den Film „Rabbi Wolf“ über einen der ungewöhnlichsten Rabbiner der Welt kennen zu lernen.

Am Sonntag, dem 2. Oktober 2016, wird es ab 11:00 im Mittelsächsischen Theater Freiberg eine große öffentliche Veranstaltung mit Lesung, Podiumsgespräch und Signierstunde geben. Schülerinnen der Klassen 10 und 11 des Freiberger Gymnasiums bilden zusammen mit Anselm Hühnel, dem Leiter des Jugendtheaters Mittelsachsen, eine kleine Filmcrew, die den Besuch und die Geschichte des Freiberger Lagers filmen werden und vorhaben, ihr Ergebnis über Facebook und youtube zu veröffentlichen.