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24.04.2026
Darin erläuterte Sven Krüger unter anderem die Notwendigkeit von modernen Verwaltungsstandorten, die Verbesserung der Bürgerfreundlichkeit und sprach über die aktuellen Verhandlungen mit der Stadt zur möglichen Nutzung des Bahnhofs.
Das vollständige Gespräch kann aus rechtlichen Gründen nicht veröffentlicht werden. Daher wurden die Kernaussagen im Folgenden zusammengefasst und die Aussagen mit den Zitaten des Landrates aus dem Interview verdeutlicht.
Der Landrat beschreibt eine suboptimale Situation an den Standorten Freiberg und Mittweida. Die publikumsstärksten Bereiche wie die Zulassungsstelle und die Ausländerbehörde in Brand-Erbisdorf sind ohne eigenes Auto nur schlecht erreichbar, was besonders für Bürger ohne eigene Mobilität problematisch ist. In Freiberg ist die Verwaltung auf sechs verschiedene Gebäude verteilt, was für Bürger extrem unübersichtlich und unattraktiv ist. Auch in Mittweida existieren zahlreiche Standorte, hinzu kommt ein Archiv in Wechselburg.
Sven Krüger: „Wir müssen die Verwaltung aus der Bürgersicht organisieren. Das heißt gute Erreichbarkeit, einfache Prozesse und Ansprechpartner vor Ort.“
Der Landkreis beschäftigt insgesamt 1500 Mitarbeiter, was im Mittelfeld der sächsischen Landkreise liegt. Durch fortschreitende Digitalisierung und Homeoffice-Modelle sinkt der Flächenbedarf trotz gleicher Leistungsfähigkeit. Zudem besteht ein erhöhter Sicherheitsbedarf für Mitarbeiter.
Sven Krüger: „Wir wollen digitaler werden. Wir sind in vielen Bereichen auch schon digital geworden. Das bedeutet auch, dass natürlich ein Großteil der Mitarbeiter auch die Möglichkeiten vom alternativen Arbeiten in Anspruch nimmt. Es werden auch die nächsten Jahre viele Veränderungsprozesse auf die öffentlichen Verwaltungen zukommen.“
Es besteht erheblicher baulicher Handlungsbedarf, insbesondere energetisch, beim Brandschutz sowie bei den allgemeinen Räumlichkeiten. Das Gebäude Rotvorwerk ist dringend instandzusetzen. Die Gebäude sind mittlerweile in die Jahre gekommen und entsprechen teilweise nicht mehr den heutigen Vorschriften.
Sven Krüger: „Wir müssen erreichbar sein. Und unsere Mitarbeiter müssen eine Arbeitsatmosphäre haben, die sie in die Lage versetzen, diesen Job zu machen. Es gibt Anpassungsdruck.“
Historie:
Die Stadt Freiberg erwarb 2019 den ruinösen Bahnhof, woraufhin sofort eine Notsanierung des Daches erfolgen musste. 2021 unterzeichnete der Landkreis einen Vorvertrag für die Unterbringung der Zulassungsstelle auf 350 Quadratmetern zu einem Mietpreis von 9 Euro kalt. Im Dezember 2024 bat der Landkreis die Stadt, eine komplette Anmietung des Bahnhofs zu prüfen. Im April 2025 ermächtigte der Stadtrat den Oberbürgermeister zu Mietvertragsverhandlungen, der Kreistag folgte am 28. Mai 2025 mit der Ermächtigung des Landrates.
Geplant war im Erdgeschoss die Unterbringung von Führerscheinstelle, Fahrerlaubnisbehörde und einem modernen Bürgerbüro, in den Obergeschossen diverse Verwaltungsbereiche als Backoffice.
Sven Krüger: „Es hätte Vorteile für alle drei Seiten gehabt: für die Stadt Freiberg -Stärkung des Mittelzentrums-, für den Landkreis -Konzentration der Verwaltungen- und für den Bürger -gute Erreichbarkeit und klare Strukturen.“
Finanzielle Aspekte:
Die Stadt Freiberg bot den Bahnhof zum Kaufpreis von 8,9 Millionen Euro an. Der Landkreis schätzt die Fertigstellungskosten auf zusätzliche ca. 15 Millionen Euro, was die Gesamtinvestition jenseits von 20 Millionen Euro liegen ließe. Im Dezember 2025 wurde in einer Stadtratssitzung ein Kaltmietpreis von 25 Euro pro Quadratmeter genannt, was für den Landkreis zu hoch ist und nicht der ortsüblichen Miete für Gewerbeimmobilien entspricht.
Sven Krüger: „Wir haben alleine schon 45.000 Euro in Planungskosten für den Standort Bahnhof investiert, was ja auch an der Stelle zeigt, dass unser Interesse sehr ernsthaft war.“
Anforderungen an das Gebäude:
Der Landrat betont, dass keine übermäßigen Anforderungen gestellt werden. Notwendig seien lediglich Sicherheitsvorkehrungen für die Zulassungsstelle sowie Schallschutznachweise für Büroarbeitsplätze.
Sven Krüger: „Wir wollen ein Gebäude, was dem normalen Standard der Ausstattung entspricht. Das haben wir klar dargelegt, dass wir ein normal nutzbares Bürogebäude brauchen mit einer etwas anderen Raumstruktur, als die Stadt Freiberg für sich gebaut hatte.“
Alternativen und Vergleich:
Der Landkreis hat einen Neubau an anderer Stelle mit den Fertigstellungskosten des Bahnhofs verglichen und kommt zu dem Ergebnis, dass ein Neubau günstiger wäre als der Kauf und Fertigstellung des Bahnhofs. Der Landkreis verfügt über eigene Grundstücke, die als Alternativen denkbar wären.
Sven Krüger: „Wir haben uns grundsätzlich Gedanken gemacht. Wo wollen wir an anderer Stelle hin? Aber wir prüfen im Moment. Wir haben keinerlei Planungsaufträge für alternative Standorte erteilt.“
Aktueller Verhandlungsstand:
Der Landkreis setzte sich ursprünglich eine Frist bis zum 31. März 2026, verlängerte diese jedoch auf den 30. April 2026, nachdem Bürgermeister Seltmann kurzfristig einen Gesprächstermin erbeten hatte. Am 30. März 2026 fanden intensive Verhandlungen statt. Der Stadtrat beschloss am 2. April 2026, die Gespräche mit dem Landkreis zum Verkauf oder Miete fortzusetzen. Ein konkretes Ergebnis steht noch aus. Der Landrat betont, dass kein verbindliches Mietangebot vorliege, sondern lediglich ein Kaufpreisangebot.
Sven Krüger beschreibt das Verhältnis zur Stadt Freiberg als professionell. Er betont, dass er als Landrat die Interessen aller 52 Kommunen zu vertreten habe. Es handle sich nicht um persönliche Befindlichkeiten, sondern um eine Investition in mehrstelliger Millionenhöhe.
Der Landrat: „Wir müssen natürlich auch die Situation der Stadt sehen. Es gibt Ursachen, die sie nicht selber zu vertreten hat. Auch da hat bei den Baukosten, die Ukraine, Krieg, die Wirtschaftskrise usw. mit zugeschlagen. Es muss halt am Ende für beide Seiten eine vernünftige Lösung sein.“
Aufgrund der aktuellen Liquiditätslage der Landkreisverwaltung schätzt er die Chancen für einen Mietvertrag höher ein als für einen Kaufvertrag. Ein Mietvertrag wäre auf 20 Jahre plus Verlängerungsoption angelegt. Die endgültige Entscheidung trifft nicht der Landrat allein, sondern der Kreistag, der nur zustimmen wird, wenn der Vertrag für den Landkreis wirtschaftlich sinnvoll ist.
Sven Krüger: „Der Bahnhof ist für uns eine sinnvolle Option. Er würde auch die Stadt Freiberg stärken. Allerdings muss sich jede Seite bewegen, damit man zu einem für beide Seiten wirtschaftlichen Ergebnis kommt.“
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