Tag des offenen Denkmals in Mittelsachsen eröffnet

09.09.2019

Gestern hat Landrat Matthias Damm den Tag des offenen Denkmals in Mittelsachsen in Flöha eröffnet. Gleichzeitig zeichnete er in der Alten Baumwolle Dr. Steffen Delang, Martin Neuss und Falk Ueberschär mit den Denkmalpreisen des Landkreises aus.

„Denkmäler sind wichtig für unsere Identität, sie geben uns auch ein Heimatgefühl“, erklärt Damm. Er dankt den Eigentümern, die viel Engagement, Zeit und Geduld für den Erhalt der Objekte aufbringen. Finanziell können sie Unterstützung erhalten, entsprechende Anträge werden vom Landratsamt bearbeitet. Der Freistaat stellt dem Landkreis 2019 dafür rund 750.000 Euro zur Verfügung. Außerdem sind im mittelsächsischen Haushalt Gelder für Notsicherungen an Gebäuden eingestellt. Die maximale Förderhöhe beträgt 3.000 Euro.

Seit 2010 stimmte das Landratsamt 86 Anträgen zu. „Ohne Frage kann ein Denkmal eine Bürde sein, daher sind diese Mittel auch so wichtig“, erklärt der Landrat. Rund 12 000 Kulturdenkmäler existieren in Mittelsachsen. „Diese befinden sich in einem unterschiedlichen Zustand: von ,topsaniert‘ bis hin zu ,einsturzgefährdet‘, erklärt Jörg Liebig vom Bereich Denkmalschutz im Landratsamt. Als Behörde wolle man natürlich Denkmale erhalten, aber hier sei Augenmaß gefragt. Daher ist sein Bereich mit potentiellen Bauherren im Kontakt, um Empfehlungen zu geben. „Wir freuen uns, wenn es Investoren gibt. Daher möchten wir immer den Weg finden, Denkmäler zu erhalten und die Interessen der Investoren zu wahren“, so Liebig.

Der Tag des offenen Denkmals steht in diesem Jahr unter dem Motto „Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur“. Rund 60 Objekte öffnen in Mittelsachsen ihre Türen. „Der Aktionstag gibt einen Rahmen, aber nur durch die Akteure vor Ort ist er so erfolgreich und vielfältig“, so Landrat Matthias Damm. Der zweite Sonntag im September sei für viele ein ganz fester Termin im Jahreskalender und er hofft, dass es auch in diesem Jahr wieder eine positive Resonanz gibt.

Schon zum zehnten Mal werden in diesem Jahr die Denkmalpreise des Landkreises vergeben. Damit werden Personen geehrt, die sich um die historisch-wertvolle Bausubstanz verdient gemacht haben. „Sie stehen stellvertretend für zahlreiche engagierte Menschen in diesem Bereich“, erklärt Matthias Damm.

Dr. Steffen Delang war im Landesamt für Denkmalpflege mehrere Jahre für die Region Döbeln zuständig und hat in dieser Zeit viel bewegt und zahlreiche Projekte begleitet, wie die Sanierung des Klosters Buch bei Leisnig sowie die Restaurierung der Stadtkirche St. Nicolai in Döbeln. „Grundanliegen waren ihm stets das Bewahren erhaltungswürdiger Zeitzeugen, das Verstehen der Bauherren und Antragsteller und die Suche nach einem tragfähigen Kompromiss“, so Jörg Liebig in seiner Laudatio. Dass man in einer Findungsphase nicht immer einer Meinung sein könne, werde sicher jeder verstehen, aber es komme darauf an, wie man miteinander umgehe und ob man ein Grundverständnis füreinander entwickeln könne. Dies sei Dr. Delang stets bestens gelungen, ergänzt er.

Der Investor Martin Neuss erhält den Preis für den Erhalt und die Revitalisierung „Neubau von 1904“ auf dem Gelände der Baumwolle Flöha. Dort entstanden innerhalb von zwei Jahren mehrere Läden. Es gab schon einige Anläufe, diesen Teil der Baumwolle wiederzubeleben, die aber nie über die Planungsphase hinausgekommen sind. „Das Areal ist ihm von verschiedenen Maklern angeboten worden. Zeitig hat er den Kontakt zur städtischen Verwaltung und zu den Denkmalschutzbehörden gesucht“, so Falk Uwe Langer vom Denkmalschutz in seiner Laudatio. Von dort kämen die Signale der Umsetzbarkeit. Der Investor sei ein hohes Risiko eingegangen, denn er sanierte den gesamten Komplex, obwohl nur für einen Teil des Gebäudes die Nutzung feststand. Nur sehr selten gelinge es, „historische Industriegiganten für Handel und Einkauf in Gebrauch zu nehmen“, so Langer.

Ein weiterer Preisträger ist der Architekt Falk Ueberschär. Er habe sich mit kreativen Ideen für die moderne Nutzung von historischen Gebäuden verdient gemacht. Ein Beispiel ist der gelungene Umbau der alten Lateinschule in Rochlitz. Dr. Stefan Dähne vom Landesdenkmalamt Dresden hielt die Laudation. Falk Ueberschär zählt mit seinen vornehmlich im mittelsächsischen Raum realisierten Planungen zu den zuverlässigsten Partnern der Denkmalpflege und der Bauherren.

Neben der Eröffnungsveranstaltung war die traditionelle Scheckübergabe von Professor Schramm (Sparkasse Mittelsachsen) an den Landrat ein wichtige Baustein für diesen Tag. Schließlich konnten mit diesen Mitteln wieder mehrere Publikationen zur Denkmalpflege des Landkreises finanziert werden. Diese wurden heute erstmals den Interessierten vorgestellt und ausgegeben. Führungen im Areal der Baumwolle Flöha rundeten diesen Tag bei gastronomischer Versorgung ab.

Große Resonanz erfuhren die Führungen durch die Alte Baumwolle in Flöha.