Zehn Jahre „Zwischenstopp“

02.10.2026

Seit zehn Jahren unterstützt das Projekt „Zwischenstopp“ in Bockelwitz suchtkranke Männer in einer besonders schwierigen Phase: zwischen Entgiftung und Rehabilitation. Abstinent leben, gemeinsam wohnen, arbeiten und wieder Verantwortung übernehmen – mit diesem Konzept bereitet das Projekt die Teilnehmer auf ein selbstbestimmtes Leben und die Rückkehr in die Arbeitswelt vor. 

Eine Suchterkrankung kann Betroffenen die Perspektive nehmen und den Weg zurück in ein geregeltes Leben und in Arbeit erschweren. Wer sich für einen Entzug entscheidet, hat deshalb einen wichtigen Schritt geschafft. Doch gerade die Zeit danach birgt Risiken: Eine qualifizierte Entzugsbehandlung dauert in der Regel nur wenige Wochen. Bis eine mehrmonatige Entwöhnungsbehandlung beginnen kann, vergehen mitunter Wochen oder gar Monate. Ohne Unterstützung und eine feste Tagesstruktur steigt in dieser Zeit die Gefahr eines Rückfalls.

Genau hier setzt seit Juni 2016 das Projekt „Zwischenstopp“ in Bockelwitz bei Leisnig an. Es richtet sich an Männer ab 18 Jahren mit Alkohol- oder Drogenabhängigkeit, die eine qualifizierte Entzugsbehandlung abgeschlossen haben und auf den Beginn ihrer Rehabilitation warten. Bis zu neun Bewohner finden gleichzeitig Platz. Möglich wird das Angebot durch die Zusammenarbeit verschiedener Partner aus Suchthilfe, Medizin und Sozialarbeit.

Das Besondere an „Zwischenstopp“ ist die Verbindung von abstinentem Leben, Wohnen und Arbeiten. Ziel ist es, die Abstinenz zu stabilisieren, wieder eine feste Tagesstruktur aufzubauen und Selbstständigkeit und Verantwortungsübernahme zu fördern. Damit sollen zugleich Voraussetzungen für eine spätere Integration in den Arbeitsmarkt geschaffen werden.

Die Bewohner arbeiten verpflichtend entsprechend ihres individuellen Leistungsvermögens in unterschiedlichen Bereichen. Dazu gehören Garten- und Landschaftsbau, Holzbearbeitung, Küche und Wäscherei sowie die Pflege des Hofes und seiner Umgebung. Sportliche Aktivitäten und verschiedene kreative Angebote ergänzen den Alltag.

Begleitet werden die Teilnehmer therapeutisch und psychologisch. Zum festen Programm gehören unter anderem wöchentliche Suchtberatung, Ergotherapie in der Gruppe, psychologische Gespräche und Gruppengespräche. Hinzu kommen eine regelmäßige fachärztliche Weiterbehandlung sowie weitere Angebote. Das Team unterstützt die Bewohner außerdem bei Bedarf bei Behördengängen und der Organisation ihrer Finanzen.

Gestartet war „Zwischenstopp“ 2016 als Pilotprojekt. Inzwischen besteht das Angebot seit zehn Jahren und wird anhaltend stark nachgefragt. Seit dem Start haben rund 200 Männer das Angebot genutzt. Die große Mehrheit von ihnen wechselte anschließend in eine Langzeittherapie.

Auch über das Jubiläumsjahr hinaus soll das Projekt eine Perspektive haben. Der Verwaltungs- und Finanzausschuss hat entschieden, dass der Landkreis „Zwischenstopp“ bis einschließlich 2028 mit bis zu 60.000 Euro jährlich fördern möchte. Die Anteilsfinanzierung durch den Landkreis ist Voraussetzung dafür, dass die Diakonie Döbeln als Projektträger bei der Sächsischen Aufbaubank eine Kofinanzierung aus Landesmitteln beantragen kann. Die Bereitstellung der Kreismittel steht unter dem Vorbehalt einer rechtskräftig erlassenen Haushaltssatzung für 2027/2028.

„Dass dieses Projekt nun seit einem Jahrzehnt besteht, ist deshalb mehr als ein Jubiläum, sondern eher ein Zeichen dafür, dass hier eine echte Versorgungslücke erkannt und mit viel Fachlichkeit und Menschlichkeit geschlossen wurde. Für mich ist deshalb jedes einzelne Schicksal, das sich stabilisiert, jeder verhinderte Rückfall und jeder gelungene Neustart ein Erfolg. Und der volkswirtschaftliche Nutzen ist ein zusätzliches Argument, das Projekt weiter zu unterstützen“, erklärt Landrat Sven Krüger. Das betonte auch die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag Simone Lang (MdL) und erklärte seitens des Freistaates Sachsen weitere Unterstützungsbereitschaft für Zwischenstopp.

In seinem das Jubiläum abrundenden Rückblick würdigte der Zweite Beigeordnete Jörg Höllmüller das große Engagement aller an Zwischenstopp beteiligten Netzwerkpartner. Für die Zukunft fasste er zusammen: „Wünschenswert ist eine stabile Verantwortungsgemeinschaft von Willigen, die Zwischenstopp sowohl fachlich als auch hinsichtlich der benötigten finanziellen Grundlagen arbeitsfähig halten.“

Projektträger ist die Diakonie Döbeln. Eine wichtige medizinische Verbindung besteht zum Fachkrankenhaus Bethanien Hochweitzschen. Die dortige Klinik für Suchtmedizin gehörte bereits zu den Initiatoren des Projektes. Das Jobcenter Mittelsachsen sichert während des Aufenthaltes die Regelleistungen sowie die Unterkunftskosten der anspruchsberechtigten Teilnehmer. 

Anlässlich des Jubiläums ist ein kurzer Film über das Projekt (youtube.com) entstanden.