Bau- und Grünfibel: Leitfaden für zeitgemäßes Bauen, Planen und Gestalten

17.03.2022

Der Landkreis bietet mit seinen mehr als 480 Siedlungen eine faszinierende Vielfalt. Das Pilotprojekt Bau- und Grünfibel soll bis zum Ende des Jahres stehen sowie Handlungsempfehlung und Inspiration für Bauherren und Informationen für Kommunen liefern.

Langgezogene Waldhufendörfer im Süden, Bauernweiler im Bereich des Döbelner Lösshügellandes oder Platzdörfer der Rochlitzer Pflege: Der Landkreis Mittelsachsen hat eine faszinierende Vielfalt in Bezug auf seine Siedlungsstruktur. „Das ist eine Besonderheit und sonst nicht zu finden“, sagt Professor Dr. Catrin Schmidt. Sie ist Direktorin des Institutes für Landschaftsarchitektur der Technischen Universität (TU) Dresden. Ihre Mitarbeitenden und Studierende waren und sind derzeit im gesamtes Landkreis unterwegs und erkunden die mehr als 480 Siedlungen, recherchieren in Literatur und Archiven. Aus den gesammelten Informationen soll bis Ende des Jahres die Bau- und Grünfibel für Mittelsachsen entstehen. Ein Projekt mit Pilotcharakter.

Was beinhaltet die Bau- und Grünfibel?

Geplant ist eine Web-Plattform zur regionalen Siedlungsentwicklung und Baukultur. Mit wenigen Klicks lassen sich Informationen zur Dorfform, ein Steckbrief der Siedlungsstruktur, gegebenenfalls historische Karten, gelungene Beispiele und Besonderheiten abrufen. Zur Fibel gehören drei Fachgutachten zu denkmalpflegerischen, architektonischen und baurechtlichen Aspekten.

Entwickelt werden Leitlinien, wie Dorfformen abgerundet und Randbereiche sinnvoll ergänzt werden können, wo es vertretbar ist, gegebenenfalls auch noch Einzelbebauung zulassen – also wie in Zukunft gebaut und baulich erhalten werden soll. Dabei geht es nicht darum vorzuschreiben, welche Farbe die Fassade und Größe die Fenster haben dürfen. Sie ersetzt auch nicht die Entscheidung der Baubehörde, aber sie bietet Orientierung und Maßstab für die Frage der angemessen baulichen Fortentwicklung und der Vermeidung von Zersiedelung. Interessierte Bauherrn entwickeln eine Art Gespür für die örtliche Bauweise und erhalten eine Orientierung für geplante Bauvorhaben. Sie erfahren zum Beispiel, wo es regional typische Baumaterialien gibt. Und weil es ohne „Grün“ ringsherum nicht geht, wird es auch dazu Leitlinien geben.

Das Projekt ist eng verzahnt mit der Nestbauzentrale.

Wer soll sie nutzen?

Neben Bewohnern und Bauherren, sind auch für die Kommunen die Leitlinien beim Thema Siedlungsentwicklung interessant. Die Baufibel soll Ratgeber und Entscheidungshilfe sein. „Es gibt die ambitionierte Zielstellung einer Innen- vor Außenentwicklung“, erklärt Erik Wagner, Leiter des Referats Bauantragsbearbeitung im Landratsamt. Hierzu gehört auch, sich mit dem Baulückenbegriff auseinanderzusetzen, der in lockeren Bebauungsstrukturen eben auch mehr Spielraum geben muss. Demgegenüber stehen die häufig kompakten Eigenheimsiedlungen an den Ortsrändern, die meist das Ergebnis einer nicht vorhandenen Bebauung im Bebauungszusammenhang sind. „Auch der Klimaschutz, der Umgang mit Hochwasser und Starkregen spielen eine Rolle“, zählt Wagner auf. Die städtebaulichen Leitlinien würden in zukünftige Genehmigungen einfließen, wenn es zum Beispiel um Flächennutzungspläne geht. Wagner betont, dass es bei dem Projekt nicht nur um den Erhalt alter Gebäude und Höfe geht. „Es gibt auch viele Neubauten, die sich gut ins Ortsbild einfügen.“

Wie ist der aktuelle Stand und wie geht es weiter?

Aktuell werden die Steckbriefe erarbeitet. Im Mai sind drei Workshops in unterschiedlichen Regionen geplant, an denen sich Bürger, Vereine, Planer, Städte und Dörfer gern beteiligen können. „Dabei wollen wir unsere Ergebnisse vorstellen und diskutieren“, erklärt Catrin Schmidt. Eine Gelegenheit, um konkrete Konfliktfälle beziehungsweise Probleme, aber auch Vorzeigebeispiele anzusprechen. „Wir sind aber schon jetzt dankbar für Hinweise zu Literatur, Tipps zu gelungenen Beispielen für ländlich integriertes Bauen oder zu typischen Fragestellungen vor Ort.“ Nach den Workshops werden die Leitlinien erarbeitet. Bis Ende des Jahres soll die Bau- und Grünfibel online gehen.

Kontakt zur TU:
Tom Leukefeld
Telefon 0351 463-33233
E-Mail tom.leukefeld@tu-dresden.de